Die Weihnachtsgeschichte (Luk 2 1-18)

LIEBE
auch wenn wir sie Tag für Tag
vermissen und vermissen lassen

EINTRACHT
auch wenn wir sie Tag für Tag
vermissen und vermissen lassen

FRIEDEN
Wir vermissen ihn
in diesem Jahr besonders
seit heute genau zehn Monate
dass Russland seinen Krieg gegen die Ukraine führt
Doch auch wir lassen ihn vermissen
selbst
Tag für Tag

Bei Gott aber sind
Liebe Eintracht Frieden
darum feiern wir
diese Heilige Nacht

Das Wort ward Fleisch
und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1,14a
***
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

LASST UNS BETEN:
Gott, du Grund aller Freude,
du hast durch die Geburt Jesu
deine Klarheit in unsere dunkle Welt gegeben.
Hilf, dass dieses Licht auch uns erleuchtet.
Lass es widerstrahlen in allem,
was wir tun,
dass wir dich ehren an jedem unserer Tage
und in Ewigkeit. AMEN

GNADE SEI MIT EUCH und Friede von dem,
der da war, der da ist und der da kommt. Amen.

Nein, das ist eigentlich keine Geschichte für Kinder. Zumindest nicht, wenn man bedenkt, was sich hinter den kurzen Worten versteckt.

So war Augustus nicht irgend ein römischer Kaiser.
Eigentlich hieß er Gajus Octavius Caesar. Er herrschte bis ins Jahr 14 nach Christi Geburt. Ihm war es gelungen, nach einer langen Zeit blutiger Kriege und Bürgerkriege Ruhe im Reich herzustellen.

Er war der Architekt der so genannten Pax Romana. Und weil er sich für unverzichtbar hielt – vielleicht war er das damals sogar – nannte er sich „Sohn des göttlichen Cäsars“ und legte sich die Bezeichnung „Augustus“ zu. Das bedeutet „der Erhabene“.
So waren bis dahin nur Götter bezeichnet worden.

Aber dieser Kaiser, der sich gottgleich nennt, hat Sorgen: Er braucht Geld. Nur gut bezahlte Soldaten können gute Soldaten sein. Also will er seine Steuereinnahmen neu regeln und lässt unter dem Stadthalter Quirinius die Einwohner registrieren und für die zu erbringenden Steuern einstufen.

Und da weder die Finanzämter noch die elektronische Datenverarbeitung erfunden waren, verpflichtet er einfach alle Männer, in die Herkunftsorte ihrer Familien zu gehen, um sich dort schätzen zu lassen – egal, ob jung oder alt, krank oder gesund, egal, ob sie gerade besseres zu tun hatten oder nicht.

Man kann sich also gut vorstellen, wie Joseph und die schwangere Maria sich gefühlt haben mögen, als sie ihre Sachen packen und losziehen mussten.

LIED Ich lag in tiefster Todesnacht 37 3
3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht’,
wie schön sind deine Strahlen!

Da machte sich auf
auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.
Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Der Evangelist Lukas macht nun den gottgleichen Augustus zum simplen Erfüllungsgehilfen des einzigen Gottes, der diesen Namen verdient. Indem der Kaiser Joseph und Maria von Nazareth nach Bethlehem zwang, erfüllten sich die Worte des Propheten Micha (5,1), die wir vorhin gehört haben:

„Und du, Betlehem-Efrata, zu klein, um zu den Tausendschaften von Juda zu zählen, aus dir wird ER für mich hervorgehen, um Herrscher zu sein über Israel.“

Fährt man heute über den Yitzhak Rabin Highway, braucht man mit dem Auto für die 151 km 1 Stunde 43 Minuten (meint Google). Joseph und die schwangere Maria werden über unwegsames Gelände mit erheblichen Höhenunterschieden zu Fuß schätzungsweise drei Wochen unterwegs gewesen sein.

Wäre Maria vorher zum Frauenarzt gegangen, hätte der ihr mit Sicherheit diese Strapaze verboten und Weihnachten wäre ausgefallen. Aber ohne diese Errungenschaft der modernen Medizin kam es, wie es kommen musste:

Nicht nur Joseph kam in Bethlehem an. Die Stadt war randvoll mit Menschen, die zur Steuerschätzung mussten. Und so wurde Jesus, Nachkomme des großen Königs David, irgendwo in einem Stall geboren. Hier gab es auch kein Kinderbett, dafür aber eine Futterkrippe, erzählt Lukas.

Das würde man heute nicht nur als ärmlich, sondern als lebensgefährlich für Mutter und Kind einstufen. Aber die Geschichte Gottes, der Mensch wird, lässt sich nicht aufhalten. Weder durch Armut noch durch lebensgefährliche Begleitumstände.

LIED Als die Welt verloren EG 53 1
1 Als die Welt verloren,
Christus ward geboren;
in das nächt’ge Dunkeln
fällt ein strahlend Funkeln.
Und die Engel freudig singen,
unterm Himmel hört man’s klingen:
Gloria, Gloria, Gloria
in excelsis Deo!

Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. …

Schon Abel war Hirte, der große König David war es auch, ganz Israel war in seiner Nomadenzeit ein Volk von Hirten.

Dass Kain, der sesshafte Ackerbauer, seinen Hirtenbruder Abel erschlagen hatte, war schon früh als Darstellung des Konfliktes zwischen Sesshaften und Nomaden verstanden worden.

Zu Jesu Zeiten standen die nomadisch lebenden Hirten in der gesellschaftlichen Rangfolge ganz unten. Denn die Ziegen und Schafe, die sie hüteten, fraßen alles, was sie sahen. Und dabei unterschieden sie nicht zwischen Wildnis und Acker.

Dazu kam, dass den Hirten die Herden nicht einmal gehörten. Sie waren Habenichtse, Landstreicher. Die Sesshaften sahen darum die Hirten und ihre Herden genauso ungern wie die römischen Zöllner.

Lukas erzählt, dass nun ausgrechnet die Hirten die Ersten waren, die von der Bedeutung der Geburt dessen erfahren, der der Christus sein würde. Jesus, der das Leben heilen kann. Der Heiland. Sie erfahren es als Erste, der selbsternannte Scheingott und Oberhirte Augustus aber bleibt außen vor.

WIE sie es erfahren, erzählt Lukas auch: Ein Bote Gottes besucht sie des Nachts, ein Engel. Und damit das Erschrecken über den überraschenden Besuch in der Dunkelheit ausbleibt, leuchtet die Klarheit des Herrn um Hirten und Engel.

Klare Worte, kein Versteckspiel. Gottes Heil für das Leben, und das für alle. Auch für sie. Heute frisch geboren, ein Kind in einem Futtertrog. Genau so arm wie ihr, aber mächtiger als Augustus. In der Stadt Davids. Frohe Botschaft, keine Drohung.
FURCHT ist Fehl am Platze. FREUDE wird euch anstecken.

LIED Fröhlich soll mein Herze springen EG 36 1+2

1. Fröhlich soll mein Herze springen
dieser Zeit, da vor Freud
alle Engel singen.
Hört, hört, wie mit vollen Chören
alle Luft laute ruft:
Christus ist geboren!
2. Heute geht aus seiner Kammer
Gottes Held, der die Welt
reißt aus allem Jammer.
Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute,
Gottes Kind, das verbind’t
sich mit unserm Blute.

Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.

Die Hirten waren hellwach. Schließlich war ein Engel mitten in der Nacht zu ihnen aufs Feld gekommen. Und der hatte noch viele weitere Engel mitgebracht, die Freudenchöre anstimmten. Jetzt aber waren sie wieder allein auf dem Feld. Doch viel zu aufgeregt, um sich wieder zum Schlafen zu legen.

Also ließen sie sehr wahrscheinlich zwei oder drei Nachtwachen zurück: Lasst uns gehen und SEHEN!, was wir gehört haben.

Und sie gehen. Und bekommen zu sehen. Da werden die Hirten ihrerseits zu Engeln. Als die Boten Gottes bringen sie Licht in das Dunkel. Maria und Joseph und vielleicht noch ein paar Neugierige, die das Neugeborene in den Stall gelockt hatte:

Sie alle hören von den Hirtenengeln all das,
was die Himmelsengel zuvor verkündet hatten.

FURCHT war fehl am Platze.
VERWUNDERUNG war über die Rede der Hirtenengel.
FREUDE wurde über die Gottesbotschaft:

In diesem Kind in der Krippe
liegt das Heil Gottes für diese Welt.

Meine Schwestern, meine Brüder,

wenn man sich fragt, warum diese Geschichte nicht längst vergessen ist,
warum Menschen sich diese Geschichte seit fast zweitausend Jahren weitererzählen,
ist eines sonnenklar:
Nicht des scheingöttlichen Augustus,
sondern des göttlichen Kindes wegen erzählt man die Weihnachtsgeschichte nach Lukas weiter.

Denn seit dieser Gottes – Geburt vor 2022 Jahren
haben Generationen von Menschen sich ihrem besonderen Zauber nicht entziehen können.

Alle, die sich seitdem wie die Hirtenengel damals am Heiligen Abend aufmachen, um mit eigenen Augen zu sehen und zu hören, werden der Krippe und diesem Kind nahe sein.
Und alle Putins der Weltgeschichte werden ihnen ferner sein denn je.

Weil sie nämlich an der Krippe zu sehen und zu hören bekommen, wie das Heil Gottes für diese Welt aussieht:

Sie werden die Luft- und Prunk- Schlösser dieser Welt verlassen
und Gottes himmlischen Palast betreten, und dessen Klarheit wird sie umfangen.

Sie werden dort einem König begegnen, der ihnen in Liebe begegnet, der die Nähe seiner Menschen sucht, dem weder Lebensangst noch Lebenssorge fremd sind.

Einem König, der Hochglanz, Glimmer und Polizei
ausgetauscht hat
durch Hinwendung, Zeit zum Zuhören
und durch Wahrheit, die wirklich Horizonte öffnet.
Der nicht nur die Dunkelheit des Winters durch das warme, lebendige Licht der Weihnacht erhellt,
sondern jeden finsteren Winkel des Lebens.

So werden auch wir heute
der Liebe Gottes,
der Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes begegnen.

Und unser Fest wird vollkommen sein. AMEN

LIED Brich an du schönes Morgenlicht EG 33 1-3

1. Brich an, du schönes Morgenlicht,
und lass den Himmel tagen!
Du Hirtenvolk, erschrecke nicht,
weil dir die Engel sagen,
dass dieses schwache Knäbelein
soll unser Trost und Freude sein,
dazu den Satan zwingen
und letztlich Frieden bringen.
2. Willkommen, süßer Bräutigam,
du König aller Ehren!
Willkommen, Jesu, Gottes Lamm,
ich will dein Lob vermehren;
ich will dir all mein Leben lang
von Herzen sagen Preis und Dank,
dass du, da wir verloren,
für uns bist Mensch geboren.
3. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ,
sei dir von mir gesungen,
dass du mein Bruder worden bist
und hast die Welt bezwungen;
hilf, dass ich deine Gütigkeit
stets preis in dieser Gnadenzeit
und mög hernach dort oben
in Ewigkeit dich loben.

FÜRBITTE
Herr, Allmächtiger:
Wir sind hierher gekommen,
aber wir sehen nichts, was uns verwundert.
Armseliges nur, menschliches,
was wir immer schon sahen
in den Jahren davor.

Aber du, Vater, stehst plötzlich
neben uns
vor uns
über uns

öffnest die Tür ins Paradies
zündest das Licht an am Winter
redest MIT uns, nicht über uns
vertreibst das Dunkel aus der Welt
aus unserem Leben

Berühre uns auch heute,
damit deine Klarheit das Dunkel
in das wir gehen mit allen, die um uns sind
auf immer vertreibe

Schaffe Licht für die Familien, die gerade ihre
Liebsten verloren im Krieg
oder die einsam sind – gerade heute
die ihre Familie vermissen
den Partner, den Freund

Du, allmächtiger Gott,
bringst Licht in jedes Dunkel
durch Christus, den Bruder, unseren Herrn.

UNSER VATER IM HIMMEL.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

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