Auf unsere Kosten kommen (2 Kor 9 6ff)

Leben
kaufen oder erschaffen
wir könnten es nicht
und lebensWERT ist es nicht,
weil wir das LEISTEN würden

Leben ist Geschenk
GOTT SCHENKT Leben
jeder
und allem
EINmal ganz am Anfang
und NEU an jedem Tag

Wer das erkennen kann,
kann nicht anders,
als Gott zu danken
denn lebenslang gilt

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise
zur rechten Zeit.
Psalm 145,15
***
Alles völlig frei erfunden.
Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder bereits gestorbenen Personen ist nicht beabsichtigt und wäre rein zufällig.

Ich bin doch kein Rattenfänger! sagt Hagen, der Leiter des Posaunenchores und ärgert sich. Er hat es wieder einmal nicht allen recht machen können und Stücke für den Erntedankgottesdienst ausgesucht, die Pastorin Erna und ihm selbst passend erschienen. Aber BRUNO gefielen sie eben NICHT. Der meckert nun und schmollt. Und Hagen muss es wieder mal richten.

Denn Hagen weiß: Wer erst einmal die Freude am Posaunenchor verloren hat, der kommt auch irgendwann nicht mehr. Und das will natürlich niemand, er selbst am allerwenigsten. Gerade bei Bruno nicht, der ist doch schon seit Jahrzehnten dabei.

Freude muss es bereiten: Freude bei den Proben, bei den Auftritten, beim Zuhören. Dann stimmt alles, dann stören auch keine falschen Töne, natürlich in überschaubaren Maßen, und gelegentlich ein Stück, das nicht alle lieben.

Aber das ist eben manchmal nicht so einfach: Freude zu bereiten ist dabei leichter als sie zu behalten. IHM jedenfalls macht das gerade gar keine Freude.

Doch Hagen überwindet sich und setzt sich seufzend hin und schreibt das Programm um. Ein paar kleine, zwei große Änderungen. Erna muss er nicht lange überreden, denn sie weiß es genauso wie er: Am Ende machen sie alle ihre Rechnung auf.

Und da sollte dann für jeden etwas auf der HABENseite stehen. Alle, die Zeit und Mühe investiert haben, und alle, die sich haben einladen lassen, müssen irgendwie am Ende ihre Freude behalten, also „auf ihre Kosten“ kommen. Dann ist es gelungen.

Apropos Kosten: Manchmal fehlt es zwar nicht an Freude, wohl aber am Geld, um wenigstens die nötigsten Aufgaben erledigen zu können. Bei Kirchens geht man dann nicht zur Bank, das wäre auch nur selten sinnvoll, sondern man klopft bei den Gemeindegliedern an und sammelt – eine Kollekte.

Kollekten sind allerdings weniger beliebt als das Geld, was da hinein gegeben werden soll. Wie heißt es doch so schön: „Geld macht nicht glücklich, es beruhigt nur die Nerven, doch man muss es auch besitzen, ums zum Fenster rauszuwerfen“ (Rio Reiser).

Und die meisten Menschen haben da wohl eher ein dünnes Nervenkostüm. So hinterlassen Kollekten oft etwas peinliche Augenblicke: Ach, ich habe nur große Scheine, oder gar mein Geld ganz zu Hause vergessen, und nun muss ich mich irgendwie an der roten und grünen Dose da hinten am Tisch vorbeimogeln, bevor ich an den Kuchen komme…

Ich kann mich noch gut an Sammelaktionen mit Spendenbüchse auf der Straße in DDR- Zeiten erinnern. Schon früh habe ich meinen Vater dabei begleitet. Ein Mann fragte ihn dabei an der Ecke Kurstraße in Brandenburg, wofür er denn hier sammeln würde. „Für den innerkirchlichen Aufbau“, das stand auch auf der Banderole. ER sei da eher für den innerkirchlichen Abbau, meinte der Mann zu ihm. Und ich stand daneben und fühlte mich plötzlich wie ein Bettler, obwohl diese Kollekte doch gar nicht für mich, sondern für einen guten Zweck war, fand ich zumindest.

Kollekten sammelt man wohl schon, solange es Geld gibt. Im Neuen Testament haben wir einen schönen Beleg dafür: Paulus sammelt in und um Korinth eine Kollekte für die erste Christen-Gemeinde in Jerusalem, der es wirtschaftlich wirklich nicht gut ging.

Wie will nun Paulus an Geld kommen, das andere Leute in ihrem Geldbeutel hatten, ohne sie zu verärgern? Ich denke, Paulus ging es damals wohl kaum besser als Hagen heute. Am Ende würde auch Paulus alles nur gelingen, wenn die Freude, die die Gemeinde am gemeinsamen Leben unter dem Wort Gottes hatte, dabei nicht unter die Räder kam. Man ist ja schließlich Gemeinde und kein Spendensammelverein.

Paulus wäre nun nicht Paulus, wenn er nicht VIELES dazu zu schreiben hätte. Zwei ganze Kapitel im zweiten Korintherbrief widmet er der Kollekte für Jerusalem. Aber keine Bange, ich lese jetzt daraus nur den Predigttext für heute. Aus Kapitel 9, ab Vers 6 in der Übersetzung der Zürcher Bibel:

6 Dies aber bedenkt: Wer spärlich sät, wird auch spärlich ernten, und wer im Zeichen des Segens sät, wird auch im Zeichen des Segens ernten.
7 Jeder aber gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
8 Gott aber lässt EUCH all seine Gnade REICHLICH zukommen, damit ihr allezeit mit allem reich versorgt seid und darüber hinaus noch Mittel habt zu jedem guten Werk,
9 wie geschrieben steht:
Er hat ausgestreut und hat den Armen gegeben,
seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.

11 In allem seid ihr reich, und in allem zeigt sich ganz selbstverständlich eure Güte, die bewirkt, dass, durch unsere Vermittlung, Gott gedankt wird.
12 Denn die Ausübung dieses Dienstes gleicht nicht nur den Mangel der Heiligen aus, sie bewirkt auch, dass Gott über die Maßen gedankt wird.
13 Weil IHR euch in diesem Dienst bewährt, preisen SIE Gott für den Gehorsam, mit dem ihr euch zum Evangelium von Christus bekennt, und für die Selbstlosigkeit, mit der ihr an ihnen und an allen Anteil nehmt.
14 In ihrem Gebet für euch bezeugen sie ihre Sehnsucht nach euch angesichts der überfließenden Gnade, die Gott euch zukommen ließ.
15 Dank sei Gott für seine unbeschreiblich große Gabe.

Zuerst fiel mir beim Lesen auf: Der ZWECK der Kollekte taucht eigentlich gar nicht auf. Der „Mangel der Heiligen“ soll „ausgeglichen“ werden (V 12), mehr steht hier nicht. Und auch sonst im Brief wird er nicht wirklich genauer. Das macht deutlich: In dem, was er hier ausführt, geht es nur dem Anlass nach um diese konkrete Geldsammlung. Es geht vom Thema her vielmehr um eine Theologie des Gebens.

Dafür greift Paulus zunächst auf seine Bibel, also unser „Altes Testament“ zurück. „Wer spärlich sät, wird auch spärlich ernten, und wer im Zeichen des Segens sät, wird auch im Zeichen des Segens ernten.“ Wörtlich ist in Sprüche 11,24 zu lesen: „Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer.“

Damit wird an eine Wahrheit erinnert, wie sie ähnlich ein deutsches Sprichwort in Bezug auf das Verhältnis zum Geld beschreibt: „Liebst du dein Geld zu sehr, so hast du wenig Freunde; schätzt du es aber nicht besonders, so hast du wenig Feinde.“

Gleich der nächste Vers ist ebenfalls Rückverweis durch ein Zitat aus der griechischen Übersetzung des Alten Testamentes, der sogenannten Septuaginta. Abweichend vom hebräischen Original heißt es da (Sprüche 22,8): „Einen fröhlichen Mann, der freigebig ist, segnet Gott.“

Für die griechisch sprechenden Korinther, die ihre Bibel kennen, ist das also nicht so missverständlich, wie mancher heut es hört: Den fröhlichen Geber hat Gott lieb, den schlecht gelaunten eher nicht. Sie verstehen: Fröhliches Geben bringt Segen ins eigene Leben.

Und warum ist „Geben seliger denn Nehmen“? Dazu Paulus:
Wer sein Leben mit Gott lebt, der lebt froh im Glauben, dass Gott ihm alles zukommen lassen wird, was er zum Leben nötig hat. Und dass er all das, was darüber hinaus übrig ist, auch fröhlich weggeben kann: Fröhlich, weil er weiß, dass damit auch der Nächste alles bekommt, was er zum Leben braucht, und auch froh wird.

Das ist die logische, praktische Folge dessen, das niemand aus eigener Leistung heraus an Gott glauben und vor ihm gerecht werden kann. Gott geht in Vorleistung, schon immer und für immer. Und das nicht, weil wir gut oder schlecht wären, sondern weil Gott uns liebt: Aus Liebe lässt er uns alles zukommen, was wir haben. Alles.

Wer sich einmal auf diese Liebe Gottes verlassen HAT und dann auch weiter VERLÄSST, wird froh werden im Leben. Und diese Freude weitergeben, indem er gibt, was er mag und kann: „Jeder aber gebe, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, ohne Bedauern und ohne Zwang.“ Fröhliches Geben bringt Segen ins eigene Leben.

Geben OHNE irgendwelche Hintergedanken. Und dabei KANN es nicht nur um Geld geben, sondern um alles, was der Mensch zu geben vermag. Alles, bis hin zum Wichtigsten: Der Liebe.

Wie kann man bei Paulus an anderer Stelle lernen: Liebe, die zurückgeliebt werden will, ist genau das eben nicht: Liebe. Wer so handelt, handelt aus was auch immer, aber eben nicht aus Liebe. Ohne Liebe aber ist alles nichts.

Meine Schwestern, meine Brüder:

Die Liebe Gottes ist in ihrem ganzen Reichtum über uns gekommen. Gerade zum Erntedanktag ist das überdeutlich:
Gott schenkt,
dass alles was wir haben oder können oder tun,
auch Früchte trägt, die uns Freude bringen.

Auch Hagen, Bruno und Erna.
Hagen leitet seinen Posaunenchor, Bruno spielt sein Flügelhorn, die Pastorin hält ihre Erntedankpredigt. Wenn alles gut geht und ihre Freude dabei zur Freude der Gemeinde wird, gehen alle beschwingt nach Hause und froh in die neue Woche, wie Gott es will.

Sollten wir es ihnen nicht einfach nachtun?
Sonnenschein, Blätterrauschen, Wind und Regen;
Tiere, Felder, Luft zum Atmen;
und Wälder, Mond und Sterne;
Tage, Abende, Nächte zur Ruhe;
Posaunen, Orgel, Chöre und Abendmahl:
Geschenke Gottes, uns zur Freude.

Unser ganzes Leben – es ist, was es ist,  aus der
Liebe Gottes,
der Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und der Gemeinschaft seines Heiligen Geistes.
Gott sei Dank.
AMEN

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