Siehe: Es IST sehr gut (1. Mose 1+2 in Auszügen)

Ostern- Fest neuen Lebens
Altes vergeht
Neues beginnt
neue Hoffnung wächst
Lasten werden anders getragen
neues Leben gefunden
Tod wird überwunden
der Frühling hält Einzug
neue Trauben entstehen am Weinstock
Ostern lässt jubeln
SEINE Auferstehung von den Toten
macht uns lebendig
das Geheimnis
schon JETZT, denn
Jubilate!

Ist jemand in Christus,
so ist er eine neue Kreatur;
das Alte ist vergangen,
siehe, Neues ist geworden.
2. Kor. 5,17
***
Menschen fallen über Menschen her, nehmen mit Waffengewalt, was ihnen nicht gehört. Gewalt gegen andere Menschen, Gewalt gegen die, die sich wehren, aber auch gegen die, die sich nicht wehren können. Die danach noch leben, müssen Wohnung, Haus oder Hof verlassen. Ob sie jemals zurückkehren werden, wissen sie nicht. Was sie dann in der Heimat vorfinden würden, erst recht nicht.

Das ist Krieg. Irgendjemand, der die Macht dazu hat, reißt die Menschen, denen er habhaft werden kann, aus ihrem Zuhause, macht sie zu seinen Soldaten und schickt sie in einen Krieg, der nicht der Ihre ist. Einfach, weil er es kann. Weil er behauptet, seine Gründe zu haben. Und das alles irgendwie bezahlen kann. Und seine Kriegspropaganda im Griff hat.

Für diejenigen, die von seiner Armee heimgesucht werden, ist es das Ende ihres bisherigen Lebens. Träume zerbrechen, Heimat wird zerstört oder geht auf immer verloren. Ist der Krieg dann vorbei, bleibt das Leid dieses Terrors für viele Generationen lebendig. An den Tagen und in den Nächten.

So auch hier – als dieser Krieg vorbei ist, findet sich ein großer Teil des Volkes Gottes im erzwungenen Exil wieder. Besser sollte man wohl sagen: In der Verschleppung. Ähnlich wie die 1,1 Millionen Menschen aus der Ukraine, die Herr Putin nach eigenen Angaben seit Beginn seines Krieges nach Russland „in Sicherheit gebracht“ haben will.

Die Israeliten mussten nun fern der Heimat in einem fremden Land leben. Wirtschaftlich mochte es zwar angehen, man konnte sich irgendwie einrichten. Aber die Rahmenbedingungen stimmten nicht. Man musste eine fremde Sprache sprechen. Es gab keine Reisefreiheit, keine Religionsfreiheit, keine bürgerlichen Freiheiten. Man lebte als besiegtes Volk unter den Siegern.

Wie soll man hier nicht nur existieren, sondern leben, glücklich werden? Seinen Glauben nicht verlieren, dass Gott es gut mit dem eigenen Leben meint? Dass die Gegenwart nicht nur irgendwie zu ertragen ist, sondern dass die Zukunft sich lohnt?

Hier, im babylonischen Exil, entsteht dieser Text, der in Auszügen Predigttext für heute ist. Ich lese aus dem ersten und zweiten Kapitel unserer Heiligen Schrift:

1, 1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.
27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.
28 Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.
29 Und Gott sprach: Sehet da, ich habe euch gegeben alle Pflanzen, die Samen bringen, auf der ganzen Erde, und alle Bäume mit Früchten, die Samen bringen, zu eurer Speise.
30 Aber allen Tieren auf Erden und allen Vögeln unter dem Himmel und allem Gewürm, das auf Erden lebt, habe ich alles grüne Kraut zur Nahrung gegeben. Und es geschah so.
31 Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag.
2, 1 So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
2 Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
3 Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hatte.
4 Dies ist die Geschichte von Himmel und Erde, da sie geschaffen wurden

Manche mögen sich verwundert am Kopf kratzen:
Der Anfang unserer Bibel gehört zu ihren jüngeren Teilen?

Nach allem, was Theologen durch eine genaue Analyse der verwendeten Worte und inhaltlichen Werte dieses Textes in Erfahrung bringen konnten, ist es sehr wahrscheinlich genau so. Der „Schöpfungsbericht“ ist wohl nur an den Anfang der Bibel sortiert worden, weil er über den Ursprung unseres Universums redet – und damit über das, was gleich danach die Geschichte von Adam und Eva im Paradies NICHT erzählt, sondern einfach voraussetzt.

Warum aber erzählen sich die Menschen im Exil ausgerechnet von der Entstehung von Himmel und Erde, Tag und Nacht, Meer und Festland, Fischen und Pflanzen, den Tieren an Land und den Menschen?

Zuerst: Hierin steckt erhebliche politische Sprengkraft. Denn darin steckt die Aussage: Nicht der babylonische Gottkönig hat das alles geschaffen. UNSER Gott ist Herr der Welten, Schöpfer auch dieses Himmels, dieser Erde und allem, was darauf ist.

Alle Menschen auf dieser Welt sind Ebenbilder Gottes, Abbilder seiner Unendlichkeit und darum für Gott von unschätzbarem Wert. Gott hat keine Hierarchie unter den Menschen geschaffen, es gibt keine Menschen erster und zweiter Klasse.

Selbst da, wo es selbst heute noch oft anders aufgefasst wird: Es gibt nicht einmal einen Rang-Unterschied zwischen Frau und Mann. Beide sind zeitgleich geschaffen, beide sind Ebenbilder Gottes, der ganz offenbar SELBST weiblich und männlich ohne Rang-Unterschied ist.

Die Menschen haben von Gott die Freiheit bekommen, sich die Erde, Pflanzen und Tiere untertan zu machen. Untertan bedeutet aber nicht zuerst etwas zu unterwerfen, also in die Knie zu zwingen, so wie das heute umgangssprachlich meist benutzt wird.

Sich etwas unter-zu-tun bedeutet zuerst es sich als Unterlage seines Lebens, also zur Lebensgrundlage zu machen. In der Konsequenz also (so kann man es auch im Wörterbuch finden): miteinander auskommen, einträchtig leben, einander ergänzen. Anderenfalls geht diese Lebensgrundlage nämlich einfach nur kaputt.

Was für den Menschen in seinem Gegenüber zu Pflanzen, Tieren und der Umwelt gilt, gilt erst recht für seinen Umgang mit dem Ebenbild Gottes, den anderen Menschen. Andere Menschen zu bekriegen, ihnen Leben, Hab und Gut zu nehmen, ist darum nichts anderes als ein Missbrauch der Freiheit, die Gott den Menschen gegeben hat.

Diese Sicht der Israeliten lässt an Deutlichkeit den babylonischen Kriegsherren gegenüber nichts zu wünschen übrig.
Zu dieser politischen Dimension kommt dann die seelsorgerliche Kraft dieses Textes hinzu. Der gottgemachte Zustand dieser Welt ist gut, sogar mehr als das: Sehr gut. Das ist zuerst sicher eine offene Warnung an die Besserwisserei des Menschen. An den Stammtischen des Lebens sind alle Experten, gestern wie heute. Und sie wissen ganz genau, wie es denn besser funktionieren könnte und müsste, dieses Leben (als Gott den Mann schuf, übte sie nur…)

Damit verhält sich der Mensch wie der Ton, der seinen Töpfer fragt: Warum hast du mich so gemacht und nicht ganz anders? Warum bin ich ein Nachttopf geworden und keine Blumenvase?

Diese Mahnung ist aber zugleich eine große Beruhigung: Der Mensch muss nichts VERBESSERN an dieser Welt. Ja, er KANN es gar nicht. Selbst wenn er ausgewachsene Bäume ausreißen oder Naturgesetze ändern könnte.

Das kann er am siebenten Tag erkennen. An dem Tag der Woche, an dem Gott allem Schaffen und Werken eine Zäsur setzte. An dem Ruhe einkehrte: Ruhe im Alltag, Ruhe in der Seele. Der Sabbat: Gelegenheit, Woche für Woche innezuhalten und hinzusehen und zu erkennen: Siehe, es war sehr gut.

Meine Schwestern, meine Brüder:

Nicht erst seit heute ist der Schöpfungsbericht angezweifelt und bestritten. Schon meine Geschichts-, Biologie- und Staatsbürgerkundelehrer haben ihn herangezogen, um der Klasse und vor allem mir zu beweisen, wie rückschrittlich doch Kirche sei:

Diese Welt, geschaffen von einem imaginären Etwas, und dann noch an nur sieben Tagen: Das sei nichts für den naturwissenschaftlich denkenden Menschen von heute, der genügend Belege für die wirkliche Entstehungsgeschichte von Weltall – Erde – Mensch habe. Sowas könnten nur ein paar verrückte Evangelikale in Amerika glauben.

Das aber verkennt etwas Wesentliches: Dieser Schöpfungs-„Bericht“ am Anfang der Bibel ist eines ganz sicher nicht: Ein BERICHT. Nach Wortwahl und Aufbau ist er ein Gedicht, vielleicht ein Lied. Das kann man in der Lutherübersetzung, die ihr gehört habt, noch besser aber im hebräischen Text erkennen.

Hier liest kein Nachrichtensprecher, hier trägt ein Künstler vor. Ein Mensch, der nicht müde wird, die Großartigkeit der Taten seines Gottes zu preisen. Zu jubeln, dass diese Welt so fantastisch ist.

Jubel an „Jubilate“, unserem dritten Sonntag dieser Osterzeit -mitten im Krieg? Ostern, Auferstehung Jesu: Auferstehung für uns?

Vielleicht könnten heute Menschen aus der Ukraine, die diesem Krieg und der Vertreibung des Herrn Putin direkt ausgeliefert sind, tatsächlich am besten verstehen, wie sich das Gottesvolk einst in der Verbannung fühlte.

Oder die Alten unter uns, die Krieg, Vertreibung und die Kapitulation der deutschen Wehrmacht heute vor 77 Jahren noch selbst erlebt haben.

Doch auch viele andere Menschen können nachfühlen, wie es ist, wenn der Lebensmut auf Halbmast hängt. Oder noch tiefer. Die an Leistungsdruck, unfairer Verteilung der Lebensressourcen oder der Herrschsucht anderer Menschen leiden und zu zerbrechen drohen.

Da ist und bleibt der Sabbat das größte Geschenk Gottes für das Leben der Menschen. Er schenkt Ruhe in das Leben. Ruhe, um die Geschichte und die Geschichten Gottes mit seinen Menschen zu hören, die Mut machen können für das, was noch kommt.

Ruhe, die man braucht, um das Herz und die Augen zu öffnen und zu sehen: Es ist wieder Frühling geworden. Vögel singen, Blumen blühen, die Bäume werden wieder grün. In den Wäldern, den Parks, den Gärten. Als Trutz gegen Hunger, Krieg und das eigene Ausbrennen. Als Trutz gegen manche Menschen, die ihre Freiheit missbrauchen und sich alle Mühe geben, diese Welt nach ihrem eigenen Willen zu verändern und zu knechten.

Dafür, dass wir das immer neu sehen können, hat Gott es Ostern werden lassen: Hat Jesus Christus aus dem Grab geholt, in das Menschen ihn für immer legen wollten.
Das ist Sieg des Lebens mit Gott
über jeden Tod dieser Welt.

„Nicht die Juden haben den Sabbat gehalten, sondern der Sabbat hat die Juden gehalten“, schrieb im 19. Jahrhundert der jüdische Schriftsteller Achad Ha’am.

Wie wahr. Und ich möchte hinzufügen: Was den Juden der Sabbat, ist den Muslimen der Freitag und uns Christen der Sonntag:

Gottes Geschenk der Ruhe, die es uns Menschen möglich macht, zu sehen:
Siehe, es IST sehr gut.

Die Liebe Gottes, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

werden immer Grund zum Jubel sein:
Jubilate! AMEN.

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