Gottes Gerechtigkeit: Leben (aus 1 Sam 2)

Unseren Ostergottesdienst zum Nachhören finden Sie für vierzehn Tage hier.

In der Nacht, da er verraten ward
setzte sich Jesus an einen Tisch
mit dem Verräter
mit dem Verleugner
mit den Ängstlichen
alle würden ihn verlassen

In der Nacht, da er verraten ward
feiern sie das Passamahl
Hier werden Brot und Wein
durch ihn zu Heil und Leben
für die am Tisch
die ihn so nötig hatten
und ihn doch verließen

Am dritten Tage aber
am Ostertag
gibt sich der
Auferstandene

wird wieder Brot und Wein
verwandelt für uns das Leben
weil wir es so nötig haben
auf IHN alle Hoffnung zu setzen,
und ER spricht:

Ich war tot,
und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit
und habe die Schlüssel
des Todes und der Hölle.
Offenbarung 1,18
* * *

Womit ich heute beginne, ist eine alte Geschichte. Eine GANZ alte Geschichte. Sie wurde schon tausend Jahre lang erzählt, als Jesus in Bethlehem das Licht dieser Welt erblickte. Sie erzählt die wunderbaren Umstände der Geburt des Samuel.

Wer über ihn mehr lesen will – die Bücher Samuel sind vor den Königsbüchern im ersten Teil unserer Bibel zu finden. Hier nur soviel:

Israel wächst von einem Nomadenvolk zu einem Staatsvolk heran. Jeder Staat muss nun so organisiert werden, dass er für sein Volk möglichst gut sorgen kann. In Israel haben nach den großen Führern Mose und Josua vor allem Priester dafür gesorgt, dass das Volk zusammenwuchs und sich als Gottesvolk verstand.

Priesteramt und Richteramt erscheinen dabei miteinander verschmolzen. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Heute kennt man die Berufe der Pfarrer in der Kirche auf der einen und die der Richter in der Justiz auf der anderen Seite. Und beide Seiten haben wenig miteinander zu tun, zum Glück für beide.

Vor dreitausend Jahren aber war das für Israel noch anders. „Gerechtigkeit“ ist grundsätzlich und vollkommen von Gott erwartet. Und das unvollkommene Leben muss danach suchen, seine Aus-Richtung auf Gott zu finden.

Wer könnte das nun besser begleiten als die Priester? Gott wurde schon immer als letzter, höchster Richter angesehen und angebetet – und die Priester waren und sind die Menschen, die Gottes Wort ergründen und verkünden sollen. Gerade sie müssten also wissen, welche Richtung die Gerechtigkeit Gottes den Menschen auf dieser Erde weist. Recht und Theologie gehören zusammen.

Doch damals wie heute: Skandal in der Kirche!
Nicht wenige der Priester, die doch als Richter der Gerechtigkeit dienen sollen, haben ihre eigenen Interessen, die sie höher bewerten als die Verpflichtungen ihres Amtes. Sie zweigen zum Beispiel Opfergaben ab und stecken sie in die „eigene Tasche“.

Heute nennt man das „Korruption“, und Korruption – also Bestechung, Bestechlichkeit und persönliche Vorteilsnahme – ist weltweit als Straftatbestand allgemein anerkannt. Damals aber musste man dieses Problem zunächst erkennen und irgendwie zu bekämpfen beginnen.

So wird das Königtum als Gegenmodell zum Richtertum eingeführt. Ziel ist, eine irdische Instanz zu schaffen, die dafür sorgt, dass Priester und Richter nur von Gott abhängig bleiben. Zugleich aber soll diese irdische Instanz ihnen auf die Finger klopfen können, wenn sie ihre Macht missbrauchen.

Als konkreter Anlass werden die Söhne des Eli genannt, der Priester und Richter Israels ist. Seine Söhne sollten eigentlich seine Arbeit unterstützen, tun aber das Gegenteil. Ihnen wird darum die Mitschuld am Verlust der Bundeslade beim Kampf gegen die Philister gegeben.

Und Samuel, ein prophetisch begabter Priester und Richter, hilft maßgeblich dabei, das Problem Korruption einzudämmen und das Königtum einzurichten. Saul wird der erste König Israels.

Nach diesen laienhaften Ausflügen eines Theologen ins Staatsrecht geht es nun endlich zum Predigttext. Er ist ein Teil der Jugendgeschichte des Samuel. Und diese Jugendgeschichte hängt an Namen, die „Programm“ sind:

Samuels Vater heißt Elkana. Das bedeutet: „Gott hat geschaffen“. „Gott hat geschaffen“ hat zwei Ehefrauen. Die eine heißt Peninna. Das bedeutet „Perle“. „Perle“ und „Gott hat geschaffen“ haben miteinander schon mehrere Kinder, die Beziehung zur anderen Frau aber ist zunächst kinderlos. Die heißt Hanna, das bedeutet „Gnade“, griechisch „Charis“, englisch „Grace“.

„Perle“ lässt nun keine Gelegenheit aus, um „Gnade“ zu zeigen, was sie in ihren Augen wert ist: NICHTS. Und das macht sie nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern besonders gern und laut, wenn sie unter anderen Menschen ist.

Einmal im Jahr zieht die Familie nach Schilo. Dieser Ort war lange vor Jerusalem geistliches Zentrum Israels und lag knappe 20 Kilometer nördlich vom heutigen Ramallah. Dort stand das Heilige Zelt mit der Bundeslade, eine reich verzierte und mit einem Deckel aus Gold verschlossene transportable Kiste, in der die Tafeln mit den Geboten aufbewahrt wurden.

Dort in Schilo kam man zusammen zum Reden, Beten und Opfern. Und gerade hier ließ „Perle“ Peninna ihre Nebenbuhlerin Verachtung, Spott und Hass spüren – vor aller Augen.

„Gott hat geschaffen“ Elkana sah, wie sehr „Gnade“ Hanna das schmerzte und versuchte sie zu trösten: »Hanna, warum weinst du? Warum isst du nichts? Was bedrückt dich? Hast du an mir nicht mehr als an zehn Söhnen?« (1 Sam 1,8) Doch auch seine Liebe konnte Hanna „Gnade“ ihren Schmerz nicht nehmen.

Und als Eli, der Priester in Schilo, nun auch noch meinte, sie habe zu viel getrunken, nur weil er ihr Gebet nicht verstehen konnte, redete sie Klartext mit ihm über ihren Schmerz, ihre Trauer und Verzweiflung.

Eli erkannte seinen Irrtum und sagte: »Geh in Frieden…, der Gott Israels wird deine Bitte erfüllen.« Und das geschah auch: Hanna „Gnade“ wurde schwanger und gebar ihren ersten Sohn, den sie Samuel nennt. Das bedeutet wahrscheinlich wie Saul oder griechisch Saulos „Der Erbetene“.

Da sie in ihrem Gebet Gott versprochen hatte, dass ihr erster Sohn lebenslang Gottes Eigentum sein würde, bringt sie den kleinen, entwöhnten Knaben mit anderen Opfergaben nach Schilo zu Eli und erzählt ihm von ihrem Schwur und dass „Der Erbetene“ Samuel ab jetzt für immer Gott gehöre.

„Und alle warfen sich zum Gebet nieder“ (1 Sam 1, 28b), schließt das Kapitel, und alle hören dann auch, wie Hanna „Gnade“ einen Lobgesang anstimmt. Der ist unser Bibeltext für heute, ich lese ihn aus der „Gute Nachricht“ (ab 1. Sam 2,1):

Mein Herz jubelt über den HERRN,
er hat mich wieder aufgerichtet und mich gestärkt!
Jetzt kann ich über meine Feinde lachen.
Ich bin voller Freude, weil er mir geholfen hat.
2 Der HERR allein ist heilig;
es gibt keinen Gott außer ihm.
Auf nichts ist so felsenfest Verlass
wie auf ihn, unseren Gott. …
6 Der HERR tötet und macht lebendig,
er verbannt in die Totenwelt
und er ruft aus dem Tod ins Leben zurück.
7 Er macht arm und er macht reich,
er bringt die einen zu Fall
und andere erhöht er.
8 Die Armen holt er aus der Not,
die Hilflosen heraus aus ihrem Elend;
er lässt sie aufsteigen in den Kreis der Angesehenen
und gibt ihnen einen Ehrenplatz.
Denn die Grundpfeiler der Erde gehören dem HERRN;
auf ihnen hat er die Erde errichtet.

Als Hanna im Tempel unter Weinen zu Gott betet, hat der Priester Worte der Zuversicht gefunden. Sie haben Hanna in ihrer Trauer eine Hoffnung keimen lassen. Als dann auf ihre Leidenszeit die Zeit der Schwangerschaft und die Geburt ihres Kindes folgen, wird das für sie zweifelsohne eine große Freude gewesen sein.

Doch erstaunlicherweise geht dieser Lob – Psalm jetzt weit hinaus über das, was sie persönlich als hohes Glück erfährt. Schwangerschaft und Kind erwähnt sie mit keinem Wort. Die persönliche Erfüllung ihres Kinderwunsches, ihr beginnendes Familienglück ist für sie ganz offenbar nicht das Ziel.

Bei ihrem Lobgesang beweist „Gnade“ Hanna vielmehr zweierlei:
„Gnade“ Hanna ist eine wirklich fromme Frau. Sie freut sich – und sie ist mit sich über die URSACHE der Freude im Reinen: GOTT ist es, der sie froh macht.

Auch wenn sie nicht erkennt, WARUM Gott den einen zu Fall bringt und die andere erhöht, warum er die eine arm und die andere reich macht, weiß sie doch: Das ist Gottes Plan, ER ist es, der das geschehen lässt.

Und: Alles, was sie für das Leben erwartet, erwartet sie nur von GOTT. Nur auf ihn ist felsenfester Verlass. DAS lässt sie nun froh weiterleben. Und darum ist es wohl auch kein Zufall, dass einmal tausend Jahre später Jesu Mutter Maria in ihrem Lobgesang, der im Lukasevangelium (1, 46-55) zu lesen ist, ganz ähnliche Worte findet. Ich bin sicher: Sie kannte den Lobgesang der Hanna „Gnade“, er sprach ihr in das Herz und dann auch wieder heraus.

Meine Schwestern, meine Brüder:

Was hat nun ein Lobgesang einer Frau vor dreitausend Jahren mit unserem Osterfest zu tun? Die meisten Menschen haben es ja nicht gerade einfach mit diesem Fest der Auferweckung des Gekreuzigten aus seinem Grab.

Sie nehmen diese Feiertage einfach hin und begrüßen den Frühling damit, was gerade in diesem Jahr mit den warmen Temperaturen am Karsamstag nicht schwer gefallen sein dürfte. Bei den Osterfeuern gestern hat man sich ja nicht nah ans Feuer setzen müssen, um nicht zu frieren.

Wie schon in den Jahren zuvor sind die Osterbäume in den Gärten schon lange geschmückt, die Hersteller von Osterhasen und Ostereiern haben wieder gut verkaufen können. Und in mancher Familie machen die Geschenke, die gegenseitig zu Ostern ihre Besitzer tauschen, den Weihnachtsgeschenken ernste Konkurrenz.

Manchmal denke ich, dass das auch daran liegt, dass viele diese Höhepunkte des Verschenkens schon darum brauchen, weil sie den Kern ihrer Botschaft weder von Weihnachten noch von Ostern wirklich an sich heranlassen können.
Weihnachten: Menschwerdung Gottes?
Ostern: Auferstehung von den Toten?
Gehört all das nicht an das Reich der Märchen oder Fabeln?

Doch die Zweifel an Gott und seinen Möglichkeiten haben eine genauso lange Geschichte wie die Geschichte Gottes mit den Menschen. Die Bibel ist voll davon. Es gab diese Zweifel IMMER, auch wenn sie uns heute häufiger begegnen. Menschen haben es eben leichter, an Sicht- und Nachvollziehbares zu glauben wie zum Beispiel an die Gesetze der Physik oder Mathematik.

Doch gerade „Gnade“ Hanna lässt sehen, dass den Zweifeln am Handeln Gottes schon immer die Gewissheit von Menschen entgegensteht, dass Gott größer ist als alle Zweifel.

Anders als von Sarah erfahren wir nicht, wie alt Hanna war, als sie den Samuel bekam. Auch nicht, wie lange sie schon „Gott hat geschaffen“ Elkana zum Ehemann hatte. Anders als Sarah versucht Hanna auch nicht, ihren Sohn als Erben Elkanas zu installieren.

Bei ihr liegen die Dinge anders: Sie setzt Glück nicht einfach mit Familienglück gleich. Sie weiß, wie zerbrechlich das ist. Nicht nur Zank, Hass und Streit bedrohen es; seine größte Bedrohung ist der Tod, und wie schnell kann der kommen!

Hanna weiß, dass ihr Lebensglück an keinem Menschen, sondern allein an Gott hängt. NUR GOTT ist felsenfeste Zuverlässigkeit, nur er macht arm und macht reich, nur er – und damit sind wir beim Thema! Nur Gott schafft Leben und „ruft aus dem Tod ins Leben zurück (6).

Damit traut sie Gott ALLES zu, auch all das, was bei den Menschen nicht möglich erscheint. Sie spricht aus, dass Gott die „Grundpfeiler der Erde“ gehören und ihm darum alles möglich ist.

Und damit hat sie Gott als den erkannt und beschrieben,
der er IST:
Der Allmächtige,
der auch Gräber öffnen
und Tote zum Leben erwecken kann.

Die Liebe Gottes, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes

machen es möglich, dass wir glauben,
wie schon Hanna glaubte.
Darum lasst uns Ostern feiern.
AMEN

EG 302: 2.5.8
2. Wohl dem, der einzig schauet
nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet,
der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen,
den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen
bleibt ewig unbetrübt.
5. Er weiß viel tausend Weisen,
zu retten aus dem Tod,
ernährt und gibet Speisen
zur Zeit der Hungersnot,
macht schöne rote Wangen
oft bei geringem Mahl;
und die da sind gefangen,
die reißt er aus der Qual.
8. Ach ich bin viel zu wenig,
zu rühmen seinen Ruhm;
der Herr allein ist König,
ich eine welke Blum.
Jedoch weil ich gehöre
gen Zion in sein Zelt,
ist’s billig, dass ich mehre
sein Lob vor aller Welt.

 

 

 

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