Unser Gottesdienst vom Sonntag Sexagesimae zum Nachhören
ist für vier Wochen hier zu finden.
Worte und Wörter
werden Gerede
können Last werden
Freude nehmen
das Leben schwer machen
gar die Hölle zum Glühen bringen
Das Wort Gottes aber ist
Oase in der Wüste
Quelle lebendigen Wassers
in der Dürre menschlicher Unzulänglichkeit
Das Wort Gottes zu hören
ändert alles
schafft Leben
Heute,
wenn ihr seine Stimme hören werdet,
so verstockt eure Herzen nicht.
WSp aus Hebräer 3,15
***
GNADE SEI MIT EUCH und Friede von dem, der da ist,
der da war und der da kommt. AMEN!
Das Wort Gottes ist unüberhörbar unser Thema heute.
Der Prophet Ezechiel beschreibt SEINE Begegnung mit dem Wort Gottes so, ich lese aus Kapitel 2, ab Vers 1:
1 Der HERR sprach zu mir: Du Menschenkind, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden.
2 Und als er so mit mir redete, kam der Geist in mich und stellte mich auf meine Füße, und ich hörte dem zu, der mit mir redete.
3 Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, ich sende dich zu den abtrünnigen Israeliten und zu den Völkern, die von mir abtrünnig geworden sind. Sie und ihre Väter haben sich bis auf diesen heutigen Tag gegen mich aufgelehnt.
4 Und die Kinder, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe und verstockte Herzen. Zu denen sollst du sagen: „So spricht Gott der HERR!“
5 Sie gehorchen oder lassen es – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs -, dennoch sollen sie wissen, dass ein Prophet unter ihnen gewesen ist.
6 Und du, Menschenkind, sollst dich vor ihnen nicht fürchten noch vor ihren Worten fürchten. Es sind wohl widerspenstige und stachlige Dornen um dich, und du wohnst unter Skorpionen; aber du sollst dich nicht fürchten vor ihren Worten und dich vor ihrem Angesicht nicht entsetzen – denn sie sind ein Haus des Widerspruchs -,
7 sondern du sollst ihnen meine Worte sagen, sie gehorchen oder lassen es; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs.
8 Aber DU Menschenkind HÖRE, was ich dir sage, und widersprich nicht wie das Haus des Widerspruchs. Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir geben werde.
9 Und ich sah, und siehe, da war eine Hand gegen mich ausgestreckt, die hielt eine Schriftrolle.
10 Die breitete sie aus vor mir, und sie war außen und innen beschrieben…
3 1 Und er sprach zu mir: Du Menschenkind,
iss, was du vor dir hast!
Iss diese Schriftrolle und geh hin und rede zum Hause Israel!
2 Da tat ich meinen Mund auf und er gab mir die Rolle zu essen
3 und sprach zu mir: Du Menschenkind, gib deinem Bauch zu essen und fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe.
Da aß ich sie, und sie war in meinem Munde so süß wie Honig.
Süß wie Honig.
Nach dieser Rede des HERRN, die ja eine einzige Strafpredigt für sein Volk gewesen ist, hätte ich verstanden,
wenn Ezechiel diese Schriftrolle speibitter gewesen wäre.
Bitter muss es doch sein, dass die Israeliten ein ganzes „Haus des Widerspruchs“ sind, ein festgefügtes Gebilde der Rebellion, in dem Menschen sich gegen Gott auflehnen, wo sie nur können, und andere Völker gleich noch dabei mitnehmen, sie zu einem Bau-Teil machen in diesem „Haus des Widerspruchs“. Bitter, weil das Wort des HERRN bei ihnen nicht auf fruchtbaren Boden fällt, obwohl es doch Leben schafft und Lebensrettung bringt, wie unser Tages-Psalm (119) heute sagt.
Oder wenn nicht bitter, dann zumindest scharf wie Feuer, das den ganzen Körper brennen lässt.
Wenn sie dickköpfig nicht hören oder reden wollen, wenn sie ihre Herzen hart machen. Wenn sie einem wie stachlige Dornen die Haut blutig aufreißen. Wenn sie wie Skorpione stechen und ihr Gift in andere Körper verteilen.
Wenn ich es mir nun genauer überlege, hätte diese Schriftrolle allerdings nicht einmal scharf oder bitter, sondern ungenießbar sein müssen.
Deutlich ungenießbarer als eine Buchseite heutzutage, die ja bekanntlich aus Papier wäre. In Filmen werden Zettel gegessen, damit die Information darauf nicht in falsche Hände geraten. Und ich habe noch nie gesehen, dass jemandem diese Zettel ein Genuss gewesen oder irgendwie geschmeckt hätten.
Papier zu essen ist schon ziemlich eklig. Wer versehentlich Einwickelpapier mitzuessen versucht, merkt das schnell und spuckt es aus.
Diese ROLLE aber muss für Ezechiel viel schlimmer gewesen sein. Die war damals entweder aus Pergament oder, wenn es da schon erfunden gewesen sein sollte, aus Papyrus.
Pergament ist bearbeitete Tierhaut, Papyrus besteht aus zusammengeklebten Pflanzenfasern.
Beides dürfe Ezechiel kaum herunterbekommen haben.
Doch es kommt anders. Das, was er da vom HERRN zu essen bekommt, schmeckt in seinem „Munde süß wie Honig“. Und es schmeckt ihm nicht nur. Es füllt ihn aus, ganz, es macht ihn satt, ist gut für seinen Körper.
Was für andere bitter, scharf oder völlig ungenießbar ist, ist für ihn wunderbar und sättigend. Ein Drei-Sterne-Menu, das nichts zu wünschen übrig lässt, weder an Geschmack noch an Menge.
Und das, obwohl die Worte des HERRN für das geforderte Predigtamt des Ezechiel nichts, aber auch gar nichts erstrebenswertes bereithalten:
Wenn ihm doch kaum jemand wohlwollend zuhören wird;
wenn ihm Ablehnung und offene Feindschaft entgegengebracht werden wird;
wenn das „Haus des Widerspruchs“ nach seiner Predigt immer noch so fest und unbeschädigt dastehen wird wie vorher;
wenn sie erst im Nachgang, also irgendwann später im Rückblick erkennen werden, dass „ein Prophet unter ihnen gewesen ist“:
All das klingt mehr als ernüchternd, das klingt nicht nach einem guten Job. Das sieht aus wie ein Orden, der Ezechiel erst posthum, nach seinem Tod zugesprochen werden wird.
Doch das scheint Ezechiel jetzt überhaupt nicht mehr zu treffen.
Denn dieses Wort des HERRN, für andere bitter, scharf oder völlig ungenießbar, wird für den Propheten völlig überraschend ein Hochgenuss. Dieses Wort lässt ihm alles zukommen, was er für das Überleben braucht, wahrscheinlich sogar für immer, bis zu seinem Lebensende.
Jetzt scheint es mir so, als würde Ezechiel diese Schriftrolle damals geradezu „verschlungen“ haben, so wie man heute ein richtig gutes Buch „verschlingt“. Ein Buch, das so spannend, so voller Wahrheit ist, dass es sich niemals ausliest, weil man es wieder und wieder lesen kann und stets neue, für das eigene Leben wichtige Entdeckungen macht.
Diese Schriftrolle ist darum Grund genug, zur Erfüllung seines Auftrages Motivation zu sein, das zu werden, wofür Ezechiel in Zukunft leben wird. Dieses Buch rüstet ihn auf:
Zum Sprechen als Prophet. Zu einem, der das Wort des HERRN unter die Menschen bringt. Der es ihnen sagt, egal ob sie „gehorchen“ oder „es lassen“.
Und es wird, gegen allen Anschein, auch für ihn so sein können, dass das Wort am Ende auch auf gutes Land fällt und „hundertfach Frucht“ (Tagesevangelium, Lk 8,8) tragen wird. Denn irgendwann WERDEN ja Menschen erkannt haben, dass „ein Prophet unter ihnen gewesen ist“.
Diese Berufungsgeschichte Ezechiels, Jahrtausende alt, erzählt uns bleibende Wahrheit über das Wort des HERRN.
Wahrheit, die heute noch genauso Bestand hat wie damals.
Für die einen ist dieses Wort des HERRN bitter oder scharf oder völlig ungenießbar. Sie wohnen im „Haus des Widerspruchs“ – es ist unzerstört bis heute. Ja, an ihm wird fleißig aus- und umgebaut, es wird gehegt und gepflegt, es ist größer, schöner und repräsentativer als je zuvor.
Vielerorts steht es inzwischen sogar unter Denkmalschutz.
Für die anderen ist das Wort des HERRN das Beste, was ihnen das Leben zu bieten hat. Es wird zur Lebensnahrung von Körper und Geist, zu einem „Haus des Lebens“. Sie gehen schwach und krank hinein und kommen gestärkt und lebensfroh wieder heraus. Haben IN SICH erlebt, dass dieses Wort des HERRN Frucht trägt. Tausendfach.
Und sie spüren auch, wie diese Frucht heißt: Wahrheit. Und wer von ihr einmal gegessen hat, der weiß, wie ein Drei-Sterne-Menu schmecken muss.
Doch warum gibt es das denn immer noch, dieses „Haus des Widerspruchs“? Warum ist mein „Haus des Lebens“ zwar schön und einladend, aber doch eher leer?
Nun könnte man sagen: Ja, in Deutschland ist das so, anderenorts ist das aber anders. Da, wo Gemeinden und Kirchen nicht kleiner werden, sondern wachsen. Inzwischen ist die Zahl derer, die sich Christen nennen, in Afrika größer als in Europa.
Und während ihre Zahl in ganz Europa stagniert oder sinkt, ist starkes Wachstum in Ländern wie China, Südkorea oder Brasilien zu beobachten. (China ist übrigens christliches Wachstumsland Nummer 1: Trotz staatlicher Restriktionen halten Experten die Prognose, dass China bis 2030 mit über 200 Millionen Christen (davon die große Mehrheit Protestanten) eines der Länder mit der weltweit größten christlichen Bevölkerung sein wird.)
Doch da sind wir bei einem Problem, das heute genauso da ist wie zu Zeiten Ezechiels, auch wenn der sich dessen vielleicht noch gar nicht so bewusst gewesen ist:
Das Wort des HERRN ergeht in der MUTTERSPRACHE an Ezechiel. Das war Hebräisch, sonst hätte Ezechiel es ja nicht verstehen können.
Und MUTTERSPRACHE hat nun einmal, was WAHRHEIT betrifft, nicht nur den Vorteil, dass Menschen, die sie sprechen, sie auch leicht verstehen können.
Sie hat, bezogen auf das Wort des HERRN auch den Nachteil, dass sie von MENSCHEN gesprochen wird. Oder habt ihr über Euren Glauben auch schon jemand anderes sprechen hören als einen Menschen?
MENSCHEN aber sind weder vor Irrtum noch vor Missverständnis und auch nicht vor Übersetzungsfehlern geschützt, weder beim Sprechen noch beim Hören.
So kann KEIN Wort, das ein Mensch spricht, automatisch Gottes Wort sein. Zuallererst nicht das, was ich spreche!
Das gilt auch für die Bibel: Sie ist nicht Gotteswort, weil sie von Menschen geschrieben ist.
Aber IN ihr ist Gotteswort, WENN Menschen nicht nur ihre Muttersprache, sondern auch die Sprache des HERRN zu lernen bereit sind und sie aus der Bibel heraushören können.
Ja, da ist noch die Sache mit Träumen und Visionen, die waren ja zu früheren Zeiten sehr beliebt, wenn es darum ging, zu sagen: Das habe ich von Gott höchstpersönlich gehört!
Doch selbst zu Zeiten des Ezechiel mussten solche Visionen ja „unters Volk“ gebracht werden, brauchten solche Visionen also MENSCHEN – wie den Propheten selbst, die sich dieser dankbar undankbaren Aufgabe nicht verschlossen, Propheten sein zu sollen.
Ja, meine Schwestern und Brüder,
das Wort des HERRN hat es nicht leicht unter uns. Nehmen wir nur einen einzigen Vers aus dem Buch des Propheten Maleachi:
„Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der HERR Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.“ (Mal 3 10)
Daraus machen Menschen ein Wohlstandsevangelium: Jeder, der es nur will, wird Segen als Gesundheit und Wohlstand in Fülle von Gott haben, er muss nur hart genug dafür arbeiten. Und wer das nicht versteht, ist ein Sünder und wird von Gott mit Krankheit und Armut bestraft werden.
Solche Botschaften füllen ganze Fußballstadien mit Menschen, machen die Putins, Netanjahus und Trumps zu Menschen, die sich von Gott gesandt und berufen fühlen, und die andere Menschen knechten, umbringen und vertreiben lassen.
Doch habt keine Angst vor diesem „Haus des Widerspruchs“! Denn Gott lässt davon nicht den Mund verbieten.
Das Wort des HERRN baut vielmehr das „Haus des Lebens“.
In diesem Haus ist Wahrheit zu finden, seit tausenden Jahren, wie es schon die Worte unseres Eingangspsalms heute (119) beschrieben haben:
„Dein Wort ist meinem Munde süßer als Honig. Dein Wort macht mich klug; darum hasse ich alle falschen Wege. Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.
Erhalte mich nach deinem Wort, dass ich lebe, und lass mich nicht zuschanden werden.“ (VV 103-105,116)
Das Wort des HERRN schmeckt wirklich,
es ist Wahrheit, süß wie Honig:
Die Liebe Gottes,
die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
lassen uns verliebt sein in das Wort des HERRN.
Vielleicht in Ewigkeit.
Sicher in dieser Zeit.
AMEN
EG 198:
1. Herr, dein Wort, die edle Gabe,
diesen Schatz erhalte mir;
denn ich zieh es aller Habe
und dem größten Reichtum für.
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,
worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist’s nicht um tausend Welten,
aber um dein Wort zu tun.
2. Halleluja, Ja und Amen!
Herr, du wollest auf mich sehn,
dass ich mög in deinem Namen
fest bei deinem Worte stehn.
Lass mich eifrig sein beflissen,
dir zu dienen früh und spat,
und zugleich zu deinen Füßen
sitzen, wie Maria tat.

