Herzensangelegenheit (5. Mose 30 11-14)

Gott über alles lieben
und den Nächsten wie sich selbst
ein Lebenswerk
klare Aufgabe mit Hindernissen
Zweifel an Gott
Zweifel am Wohlwollen des Nächsten
Selbstzweifel
hindern lebenslang
doch gibt es die Alternative
die Liebe Gottes

Dies Gebot haben wir von ihm,
dass, wer Gott liebt,
dass der auch seinen Bruder liebe.
1 Johannes 4,21
***
Abstand, Hygiene, Alltagsmaske:
Das AHA- Gebot, das uns allen inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte. Denn es ist ohne Zweifel ein hilfreiches Instrument dabei, die Ausbreitung des Coronavirus in Grenzen zu halten.

Ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zum nächsten Menschen, der nicht in den eigenen Haushalt gehört.
Besonders häufiges und gründliches Händewaschen und Desinfizieren, auch von oft berührten Flächen.
Bei vielen Menschen in der Öffentlichkeit die Nutzung der Alltagsmaske, die Mund und Nase bedeckt und das Vermeiden von Berührungen des eigenen Gesichtes.

Das AHA-Gebot hat seine Wirksamkeit bewiesen.
Schon die Grippeerkrankungen sind sprunghaft zurückgegangen, seit AHA Regel wurde.

Und doch sind heute immer mehr Menschen in der Öffentlichkeit zu sehen, die sich nicht daran halten.
Sie sind nicht nur zu sehen, sondern oft sogar zu spüren, wenn sie einen anrempeln: Auf dem Bürgersteig, im Supermarkt, in Bahn oder Bus.

Mit Folgen, die inzwischen unübersehbar sind:
Viele unserer Nachbar-Staaten und auch immer mehr Städte und Gebiete in unserem Land müssen wieder als Corona-Risikogebiete eingestuft werden, die Infektionszahlen steigen stetig.

Woran mag es nun liegen, dass das AHA-Gebot so oft übertreten wird?

Zuerst natürlich: Das Virus ist unsichtbar, da haben es viele schwer, seine Bedrohlichkeit zu erkennen. Und länger ernst zu nehmen als nur ein paar Wochen. Dazu kommt: Regeln oder Regelungsversuche gibt es im Moment so viele, dass man schnell jeden Überblick verlieren kann.

Reisewarnungen zum Beispiel. Sie sollen keine Verbote sein, sondern eben Warnungen: Überprüfe, ob deine Reise dahin wirklich so wichtig ist, dass du sie tatsächlich antreten musst.
Doch entscheiden musst du schon selbst.
Auch ob du Hochzeit feierst. Oder Geburtstag. Oder ein Jubiläum.

Und dann die vielen unterschiedlichen Regelungen in Deutschland. Welche Regeln gelten eigentlich wo? Wohin darf ich noch fahren jetzt in den Oktoberferien? Wo dürfen unsere Berliner Nachbarn noch übernachten? Was passiert, wenn man ohne Alltagsmaske Bus oder Bahn fährt? In Brandenburg, in Bayern, in Thüringen? Warum muss ich hier 50 Euro, da 250 Euro Strafe zahlen und dort nichts?

Immer mehr Menschen schalten in der Corona-Diskussion entweder auf völlige Ablehnung oder auf Durchzug. Die einen wittern überall Verschwörungen und die anderen hören einfach nicht mehr hin.

Das AHA-Gebot wird für sie zu einem Wort unter zahllosen anderen Wörtern, die uns allen täglich in den Ohren klingen und um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Gesprochene, geschriebene, nebenbei aufgeschnappte…Wer könnte sie alle hören oder gar fassen, geschweige denn sie ernst nehmen, über sie nachdenken?

Und da machen andere Regeln, Gesetze oder Gebote natürlich keine Ausnahme.
Man kann sie nur wirklich HÖREN, wenn sie einen interessieren.
Und sie BEDENKEN, ernst nehmen wird man sie entweder dann, wenn das Nichthören oder Nichtbeachten unter empfindlicher Strafe steht – ODER sie einem eine HERZENSangelegenheit sind.

Um so eine Herzensangelegenheit geht es im Predigttext für heute, ich lese aus dem 5. Mosebuch Kapitel 30 die Verse 11 bis 14:
11 Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern.
12 Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest:
Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?
13 Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?
14 Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Das Wort, von dem hier die Rede ist, ist nicht irgendein Wort, sondern es ist „das Gebot, das ich dir heute gebiete“. Es sind die Worte, mit denen Mose dem Volk Israel um Beispiel in zehn Regeln weitergibt, was er selbst von Gott gehört hat. Es sind also Worte eines Menschen, in denen mehr gesagt wird, als ein Mensch aus sich heraus zu sagen vermag.

Dieses Phänomen ist es, das wir als WAHRHEIT bezeichnen. In der Wahrheit geschieht es, dass völlig egal ist, WER Worte spricht oder schreibt. Es ist nur noch wichtig, WAS er spricht oder schreibt.

Wir lesen ja schon seit vielen Wochen in unserer Bibelrunde den Römerbrief. Und wir lesen ihn nicht, weil ein Apostel namens Paulus ihn geschrieben hat. Der ist ja bald zweitausend Jahre tot, niemand von uns kennt ihn persönlich.

Sondern wir lesen ihn, weil er uns beschäftigt, seine Gedanken uns gefangen nehmen und bewegen. Weil in ihm WAHRHEIT zu finden ist, die über all das hinausgeht, was ein Mensch aus sich heraus zu sagen vermag.

Was macht dieses Gebot, von dem hier die Rede ist, also aus? Warum werden aus Worten des Menschen Mose Worte GOTTES? Wo liegt die große Wahrheit dieser zehn Gebote, die wir vorhin in der Lesung hörten (2. Mose 20)? Warum sind diese Gebote nach so vielen Jahrtausenden immer noch so wichtig, das wir sie einzeln oder alle in unseren Gottesdiensten bedenken?
Das kann man in den nächsten beiden Versen lesen:

Siehe, ich lege dir heute das Leben und das Gute vor, den Tod und das Böse. Dies ist’s, was ich dir heute gebiete: dass du den Herrn, deinen Gott, liebst und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote, Gesetze und Rechte hältst, so wirst du leben und dich mehren, und der Herr, dein Gott, wird dich segnen in dem Lande, in das du ziehst, es einzunehmen. (5. Mose 30, 15–16)

Es geht um Gut und Böse, Segen und Fluch, Leben und Tod.
Also um ALLES, was das Leben des Menschen auf dieser Erde ausmacht. Dieses Gebot ist gerade KEIN juristisch abgewogener und ausgefeilter Text, KEIN nervender, tötender Buchstabe, der dem Menschen die Freiheit oder gar die Luft zum Atmen nähme.

Im Gegenteil, dieses Gebot GESTALTET Zukunft. Es ist Weisung IN das Leben und FÜR das Leben. Wer sich an das Gebot hält, wird glücklich werden, wird Segen erfahren. Segen für alle: Eine Wohltat, die nur Gott wirken kann, weil der Mensch zu klein dafür ist.

Darum geht es in den Geboten zuerst um das wahre Verhältnis zwischen Gott und Mensch, dem Schöpfer und den Geschöpfen, dem Liebenden und den Geliebten. Denn wer sich gewollt und geliebt weiß, und das nicht nur für immer, sondern für ewig: Der kann sich frei machen von Lebensangst und Selbstüberhebung.

Und es geht dann darum, wie man man Segen Gottes an den Nächsten weitergibt. Denn das Gebot achtet den Anderen mindestens so hoch wie mich selbst.

Es schärft meinen Blick für die Bedürftigkeit meines Nächsten. Das Gebot sucht nicht zuerst meine Gerechtigkeit, sondern es fordert mich auf, Recht und Gerechtigkeit für den Anderen herzustellen. Für ALLE, die Not leiden oder deren Recht gebeugt und unterdrückt wird.

Das Gebot beschreibt damit die einzige Grenze, die immer Bestand haben wird. Diese Grenze ist mein Nächster, mein Mitmensch, dessen Recht und Wohl ich schützen MUSS, damit ein Miteinander gelingen kann. Und jeder, der darüber nachdenkt, kann verstehen: Ohne dieses Miteinander KANN das eigene Leben nicht gelingen, niemals.

DARUM ist dieses Gebot niemandem, der darüber nachdenkt, „zu hoch“, also irgendwie unverständlich.
Es ist auch nicht „zu fern“, geht also nicht an meinen Grundbedürfnissen vorbei.
DARUM ist dieses Gebot auch nach tausenden Jahren für uns immer noch WAHRHEIT, also Wort Gottes.

Das hat auch Paulus so empfunden, darum erwähnt er unsere Predigttextstelle auch im 10. Kapitel des Römerbriefes (ab Vers 6) auf die ihm eigene Weise:

Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht so (5. Mose 30,11-14): »Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?« – nämlich um Christus herabzuholen; oder: »Wer will hinab in die Tiefe fahren?« – nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen.
Aber was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.« Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen.

 

11 Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern.
12 Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest:
Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?
13 Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?
14 Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

Ganz nahe bei mir. Es ist nicht nur in meinem Mund, indem ich darüber rede. Sondern auch in meinem Herzen. Es kommt nicht nur von außen, sondern aus mir heraus. Wird aus einem Lippenbekenntnis zur Herzensangelegenheit. Wird aus geschriebenen Buchstaben zu dem, woran ich glaube: Dass diese Gebote mein Leben zu einem gesegneten Leben werden lassen.

Meine Schwestern, meine Brüder:

Gottes Gebote sind keine verstaubten Regeln. Sie sind sein guter Rat für uns. Der Abschnitt des Heidelberger Katechismus, den wir vorhin gehört haben (Frage 117), beschreibt auf schöne Weise, wie die zehn Gebote Gottes das Leben begleiten und ändern. Einerseits wird man sie niemals alle und immer einhalten können. Schon am ersten Gebot scheitern wir nahezu täglich neu.

Aber wer über die Gebote nachdenkt, wird gar nicht anders können und wollen, als sie zu den „Leitplanken“ seines Lebens werden zu lassen. Der wird zu denen gehören, die „mit fester Absicht nicht nur nach einigen, sondern nach allen Geboten Gottes“ leben wollen und werden. Denn sie werden sein Herz gefangen nehmen.

Gottes Gebote sind uns nicht zu hoch und nicht weit her geholt. Man kann sie kaum wieder vergessen, wenn man sie einmal nachgesprochen hat. Sie sind so geschrieben, dass sie einfach zu merken sind. Man braucht also kein Bücherregal, in dem man nachkramen müsste, um die Grundregeln gelingenden Lebens wiederzufinden. Man braucht nur die zehn Finger an den eigenen Händen, um über die wichtigsten Fragen des Lebens nachzudenken. Und seinen Verstand. Dann werden sie Herzenssache.

Aus den Geboten spricht die Stimme dessen, der unser Leben gelingen lassen will. Die Stimme Gottes, der uns liebt. Der durch Christus unsere Herzen gefangen nimmt. In ihnen spricht die Liebe zu Recht und Gerechtigkeit für jeden einzelnen Menschen.

Gottes Gebote lassen uns Wahrheit erkennen:

Die Liebe Gottes,
seine Gnade, die uns in Christus nahe gekommen ist,
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes.
Wahrheit, die unser Leben gelingen lässt.
In dieser Zeit und in Ewigkeit.

 

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