Gott lacht. Du auch? (1. Mose 18 1-19)

Ave
sei gegrüßt Maria
dein Sohn ist Gottes Sohn
und nichts wird mehr sein
wie es war

Ave Maria
dein Sohn unser Herr
Sein Advent
ist unsere Zuversicht
weit über alle Sicht der Welt

Sein Advent ist Frieden
im Krieg der Zeiten
sein Advent ist
Recht und Gerechtigkeit
alles ist gut
für die
die seine Treue
sehen können

Freuet euch in dem Herrn allewege,
und abermals sage ich: Freuet euch!
Der Herr ist nahe!
Philipper 4,4.5b
***
Wenn man schielt, sieht man bekanntlich doppelt. Doppelt sollen auch Menschen sehen, die es bei dem Konsum von Alkohol entschieden übertrieben haben. Sollen, denn ich habe sicher auch schon das ein oder andere Mal mehr getrunken, als mir gut getan hat, aber doppelt gesehen habe ich dabei nicht.

Abraham aber schielt nicht, und zu viel getrunken hat er sehr wahrscheinlich auch nicht. Der Anfang unseres Predigttextes lässt eher einen Sonnenstich vermuten (1. Mose 18, 1ff). Aber sieht man bei einem Sonnenstich nicht nur doppelt, sondern dreifach?

1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.
2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm.

Ich habe diese Geschichte schon als Kind gemocht und seither oft gelesen. Aber erst jetzt ist mir aufgefallen, dass Abraham nicht einen, sondern drei sieht. Der HERR erscheint ihm, und er sieht drei Männer. Nicht zwei, nicht vier, drei. Als der Tag am heißesten war.

Ich finde diese Entdeckung bemerkenswert. Denn erstens ist sie wieder einmal ein Beleg dafür, dass man seine Bibel selten liest, ohne etwas Neues für sich zu entdecken. Selbst Pfarrern passiert das, sogar noch nach über einem halben Jahrhundert Bibellesen…

Und dann finde ich es durchaus spannend, dass Gott hier als Dreimänner vor dem Zelt des Abraham erscheint. Das hier ist wohl die erste Stelle in der Bibel, die belegt, dass „Gottesbilder“ schon früh Gott nicht nur als „einen“ sehen. Heute reden wir ja auch von Gott im Bild der Trinität von Vater, Sohn und Geist.

Doch schon Abraham ist es offenbar passiert, dass Gott als Dreimänner zu ihm kommt. An der Tür seines Zeltes. Als der Tag am heißesten war.

Dreimänner ist offenbar Dreiengel. Bei Engeln ist es ja so, dass ihre Botschaft so wichtig ist, dass ihre Person völlig zurücktritt. Sie haben fast nie einen Namen, keine Gesichter und keine besonderen Kennzeichen, von denen berichtet wird. Auch hier sind sie eins, obwohl sie zu dritt sind. So die Erzählung weiter:

Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde
3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber.
4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum.
5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.
6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feines Mehl, knete und backe Brote.
7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab’s dem Knechte; der eilte und bereitete es zu.
8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.

Kein Zweifel: Der Besuch von Dreimänner kommt einem überraschenden Staatsbesuch gleich. Darum legt Abraham ausgesuchte Höflichkeit an den Tag: Bitte, bleibt doch. Ein WENIG Wasser ist schon unterwegs. Ein BISSEN Brot auch… Abraham setzt seinen ganzen „Staat“ ein, um Dreimänner einen Aufenthalt in der Hitze zu bereiten, der angenehm ist.

Die größte Hitze wird dann auch irgendwann vergangen sein. Sarah backt Brot aus Dreimaßmehl, sicher auch das kein Zufall, dass es nicht ein oder vier, sondern drei sind. Geschlachtet wird auf die Schnelle auch noch. Es muss sich also schon um einige Stunden handeln, die Dreimänner bei Abraham und Sarah war.

Es ist sicher schon dunkel, als der „Bissen Brot“, zu einem Festmahl geworden, dargereicht wird. Und Abraham, der reiche Hausherr, überlässt das Auftischen nicht seinen Knechten. Er selbst wartet Dreimänner auf: Bleibt abseits stehen und wacht, ob auch alles gut ist.

Es IST gut – und KOMMT noch besser:
9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt.
10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes.
11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.
12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt!
13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin?

Wer spricht da? Der Herr oder Dreimänner? Das wird nicht deutlich. Auch Abraham wird das undeutlich geblieben sein.

Etwas Ähnliches hatte Abraham schon vorher zu hören bekommen. Ein paar Verse vor unserem Predigttext (1. Mose 17, 15ff) hatte Abraham auch schon Besuch vom HERRN. Fast einhundert Jahre war er inzwischen, seine Frau Sarah nur wenig jünger. Kinder waren ihnen bisher versagt, und das sollte sich jetzt noch ändern? Lächerlich.

Für den Erhalt der Familie hatten sie ja trotzdem gesorgt. Mit den Mitteln, die damals üblich waren: Abraham hatte mit Hagar, seiner ägyptischen Sklavin, einen Sohn, der Ismael hieß. Nur hatte Hagar sich nicht an die Etikette gehalten: Sie ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die Mutter war – und Sarah auf Schritt und Tritt fühlen, dass sie keine war und keine werden würde.

Jetzt aber schon wieder diese Ansage: Sarah wird schwanger werden. Das war wirklich purer Unsinn. Damit daran kein Zweifel aufkommt, wird festgestellt, dass Sarah die Wechseljahre längst hinter sich gelassen hatte.

Diesmal ist es aber so, dass nicht nur Abraham hört, was Dreimänner da verkündigt. Auch Sarah bekommt es mit. Kein Wunder, Zeltwände sind eben dünn. „Sie lachte bei sich selbst“. Sicher war das kein frohes Juchzen, kein befreites Auflachen nach dem Motto: Wunderbar! Endlich werde ich selbst Mutter!

Es war wohl eher ein kopfschüttelndes Insichhineinkichern. Was faselt da der „hohe Besuch“? Der weiß doch nicht, wovon er redet… Schwangerschaften sind ja schon für junge Frauen äußerst anstrengende Angelegenheiten. Sarah aber war über Neunzig. Das war wirklich zu spät und wirklich viel zu anstrengend. Da lachen ja die Hühner.
Wer von uns hätte nicht mitgelacht?

Aber so unterdrückt leise Sarahs Kichern auch gewesen sein mag: Dreimänner hat gute Ohren. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei, und bei sechs Ohren ist das schwerlich anders (mit dem Hören natürlich). Ein Kichern hinter der Zeltwand. Von einer Frau. Warum lacht sie? Reagiert Dreimänner jetzt etwa ärgerlich?

Das wäre bei so hohem Besuch zumindest eine diplomatische Verstimmung. Und Abraham erinnert sich ganz sicher siedend heiß daran, dass es ihm selbst kürzlich nicht besser ging als Sarah jetzt. Auch er musste in sich hinein lachen, als er zum ersten Mal zu hören bekam, dass er jetzt noch Vater werden sollte (17,17). Damals aber hatte das Gespräch mit dem HERRN eine freundliche Wendung genommen. Zum Glück. Sollte es jetzt mit dem Glück vorbei sein? Gab es jetzt Ärger?

Aber Dreimänner bleibt bei der Sache, er ist ja nur Bote, der Überbringer der Nachricht. Er argumentiert und bleibt bei seiner Botschaft:
14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.

Natürlich ist Gott nichts unmöglich. Das weiß Abraham. Denn wenn es anders wäre, wäre er nicht Gott. Dreimänner meint es wirklich ernst! Das spürt auch Sarah:

15 Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht -, denn sie fürchtete sich.

Sarah ist nicht wohl in ihrer Haut. Sie hatte Dreimänner nicht ernst genommen und der hat es mitbekommen. Dumm gelaufen. Also versucht sie sich irgendwie herauszuwinden: Ich habe nicht gelacht.

Dabei hat sie gar keinen Grund, sich zu schämen. Über viele Jahre hat sie sich gewünscht, Mutter zu werden. Diese Hoffnung ist enttäuscht worden. Und den Versuch, durch Hagars Schwangerschaft die Familie zu erhalten, hat sie teuer bezahlen müssen. Seither hat sie kaum noch frohe Tage erlebt.

Und jetzt spielt auch noch Dreimänner mit ihren Gefühlen. Da wird man doch schon bitter werden dürfen. ER hätte sich entschuldigen müssen, nicht sie. Aber sie ist eine sensible Frau. Sie spürt, dass Dreimänner sie nicht vorführen wollte, sondern dass es ihm ernst ist. Genau das jagt ihr jetzt den Schrecken in die Glieder.

Der Ton macht die Musik. Aber den Ton hören wir nicht, wir sehen nur die Buchstaben: Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Wie war das wohl gesagt? Eher lustig – fröhlich: Komm, gib es zu und lache ruhig laut: Lachen macht doch schön! Oder war es nüchtern: Ich habe es aber doch Lachen gehört! Oder vorwurfsvoll: Warum lügst Du jetzt, Sarah?

Wir wissen es nicht, die Geschichte von Dreimänner endet hier. Was wir wissen: Sarah und Abraham bekommen pünktlich „übers Jahr“ einen Sohn. Sein Name ist Programm; die beiden nennen ihn Isaak – übersetzt: „Gott hat zum Lachen gebracht“ oder „Gott lacht“.

Aus dem anfänglich spöttisch-zweifelnden Kichern beider Eltern ist ein befreites Lachen aus vollem Herzen geworden. So weit diese Lach- und Sachgeschichte zum Thema: Sollte bei Gott etwas unmöglich sein?

Meine Schwestern, meine Brüder:

Genau hier trifft diese Geschichte uns alle. Wem unter uns geht es denn schon anders als Sarah und Abraham? Advent im Jahre Zweitausendzwanzig nach Christi Geburt, all die Jahre wieder erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür:
Was kann uns das denn noch bringen?
Dass es in diesem Jahr ein Mädchen wird?

Schwanger mit Neunzig, Vater mit Hundert: Das ist für die meisten unter uns heute genau so unglaublich und unmöglich wie ab kommendem Donnerstag ein Weihnachten ohne Corona.

Wer mit vierzig nicht Mutter ist, wird es auch kaum mehr. Wenigstens nicht auf natürlichem Weg. Wer mit vierzig nur arbeitet, weil er Geld verdienen muss, der hat noch einen langen, beschwerlichen Arbeitsweg vor sich und kaum Aussichten auf eine Karriere, die ihn fröhlich machen kann. Wer mit vierzig schon all das erreicht hat, was ihm wichtig war und ist, weiß schon mit fünfzig kaum noch, wozu er morgens noch aufstehen soll.

Viele sind bitter geworden, auch unter uns, und trauen Gott nichts zu. Sie bekommen ein verbissenes Gesicht, wenn sie danach gefragt werden, was sie in ihrem Leben noch an Höhepunkten erwarten. Und je länger sie ihren Träumen hinterhertrauern müssen, desto enttäuschter sind sie.
Feiern zum 2020. Mal Weihnachten mit, weil es im Kalender steht.

Vierter Advent: Sarah und Abraham erleben ihr blaues Wunder. Sie werden in hohem Alter Eltern. Dritter Advent: Zacharias und Elisabeth tausend Jahre nach ihnen auch.
Und Weihnachten: Maria wird schwanger – ganz ohne Mann.

Drei Geschichten von Kindern, die den Menschen um sie herum mehr als nur ein Lächeln aufs Gesicht zauberten. Drei Geschichten, die jede für sich uns allen die Frage stellen:

Meinst du wirklich, dass Gott nicht in der Lage ist, auch dir ein Lächeln aufs Gesicht zu legen? Dass ER nicht auch aus Deinem zweifelnden Kichern ein befreites Lachen machen kann? Dass ER dein Lachen nicht erhalten kann, bis Du hundert Jahre bist, oder älter?

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes: Diesen dreien ist alles möglich.
AMEN

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