Quasi Gleichwie
modo geniti
die Art der Neugeborenen
Gleichwie die neugeborenen Kinder
Ostern ist gefeiert
Jesus Christus auferstanden
tausendmal gehört
Auferstehung Christi
was hilft sie
den vielen, denen ihre Last
schon lange schwerer wiegt
als die Lust ihres Lebens
was hilft sie
wenn der Glaube nicht trägt
kann man heraus aus seiner Haut
Quasimodogeniti
gleichwie die Kinder
neugeborenen werden
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der uns nach seiner großen Barmherzigkeit
wiedergeboren hat
zu einer lebendigen Hoffnung
durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
(1. Petrus 1,3)
***
GNADE SEI MIT EUCH und Friede von dem,
der da ist, der da war
und der da kommt. Amen!
Erwachsene stehen sprachlos daneben, odt sogar neidisch, wenn sie erleben, wie kleine Kinder die ihre Welt entdecken.
Wenn sie das erste Mal einen Schmetterling wahrnehmen.
Den Duft einer Blume.
Ein Musikstück von Mozart.
Man ist dabei: Hier macht ein kleiner Mensch gerade DIE Entdeckung seines Lebens. Und er ahnt nicht, dass noch viele weitere Entdeckungen auf ihn warten.
Für mich lässt das einen Moment des Erinnerns aufblitzen.
auch ich werde so diese Welt entdeckt haben.
Auch ich werde einmal so gestaunt, mich so gefreut haben.
Als ich ein kleines Kind war.
Wirklich schade, dass ich das nicht mehr so erlebe, und ich frage mich, wann dieses Staunen und Freuen ein Ende gefunden hat und warum.
Natürlich kann ich mich nicht mehr wirklich daran erinnern, wann das war, wer könnte das schon.
Und nicht einfacher als die Frage nach dem Wann ist die Frage nach dem Warum zu beantworten. Vielleicht waren es so viele Wunder, dass ich sie nicht mehr alle fassen konnte, weil mein Kopf einfach zu klein dafür war. Darum wurden Staunen, Freude und Neugier immer seltener und gaben so etwas wie Langerweile Platz:
Schon wieder eine Entdeckung, wie soll ich mir das alles merken…
So KÖNNTE das gewesen sein.
Seit ich älter bin, werden bei mir darum die Momente häufiger, wo ich mir wünschte, noch einmal neu geboren zu sein. Also nicht als jemand anderes, erst recht nicht als Maulwurf oder Giraffe. Auch nicht, um „forever young“ zu sein.
Sondern einfach wiedergeboren zu werden, damit ich das noch einmal neu erleben kann:
Sehen, riechen und hören, als wäre es das erste Mal. Staunen über Sonne, Mond und Sterne. Fasziniert sein von dieser Erde. Mich als Geschöpf begreifen und Gott als den Schöpfer.
Natürlich weiß ich, dass das so IST: Dass Gott mich geschaffen hat, ich mich ihm verdanke, ich sein Geschöpf bin. Nur das STAUNEN über dieses Wunder ist mir irgendwie abhanden gekommen, zumindest aber selten geworden. Sehr selten.
Und dann denke ich: Wenn Jesus davon spricht, wir sollten wie die Kinder werden, dann hat er auch davon geredet: Dass ich mir das Staunen über die Schöpfermacht Gottes irgendwie erhalten solle. Das aber ist ganz schön schwer.
Ja, da wäre es schon eine tolle Sache, wenn es wahr würde, was uns der erste Sonntag nach Ostern jedes Jahr von neuem verspricht. Der Wochenspruch verspricht uns, wiedergeboren zu werden. Der Sonntagsname: Quasi gleichwie modo geniti die Art der Neugeborenen. Gleichwie die neugeborenen Kinder.
Also ganz neu anfangen zu können.
Doch nimmt man das Leben für sich allein, die eigenen Erfahrungen, dann stellen sich eher große Fragezeichen ein. Es reichen sogar die ganz kleinen Erschütterungen des Alltages, die plötzlich große Fragen stellen. Fragen, auf die es keine befriedigende Antworten gibt.
Ich sehe in den Spiegel. Die Falten im Gesicht sind unübersehbar. Sicher habe ich mich an die gewöhnt, vielleicht mag ich sie sogar. Aber sie lassen mich die Zeit sehen, die ihre Spuren an mir hinterlässt. Der Tod rückt näher.
Und ich glaube, diese Momente kennt jeder. Dass man plötzlich die Ahnung die hat, dass sich schöne Erlebnisse nicht mehr oft einstellen werden.
Oder dass man einem Menschen wahrhaft zu spät begegnet, bei dem einem klar wird: Hätte ich ihn früher getroffen, hätte das mein ganzes Leben verändert.
Oder dass man sich mit dem Leben und Sterben auf dieser Welt konfrontiert sieht, auf der Straße oder im Fensehen, das sich jenseits aller Fairness abspielt.
Da stellt sie sich, die Lebensfrage, die Todesfrage, die Gottesfrage. Vielleicht zunächst nur als kleine Irritation empfunden, als flüchtige Unruhe.
Und doch ahnt man: Diese flüchtige Unruhe trifft alles, was ich bin.
Man fragt sich: Wohin führt er mich, mein Lebensweg? Wird mir sein Ende gefallen? Lebenswege, die mir nicht gefallen, kenne ich inzwischen zur Genüge. Und an jedem Tag kommen solche neu dazu – ich muss nur die Nachrichten anschalten oder Zeitung lesen.
Darum gibt es wirklich MÜDE Menschen unter uns.
Menschen, die an jedem Tag müder werden durch ihren Alltag.
Menschen, die den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr sehen können.
Menschen, die es müde geworden sind, weiter nach Arbeit zu suchen.
Die die Ablehnungen nicht mehr ertragen.
Junge Menschen, die an den Ermahnungen ihrer Eltern müde geworden sind.
Eltern, die ihrer Ehe müde geworden sind.
Junge und Alte, die Krankheiten ihres Körpers oder ihrer Seele zu Menschen machen, die am Leben müder und müder werden.
Und was uns hier, in diesem Gottesdienstraum noch vier härter trifft: Zu aller Müdigkeit des Alltages kann auch die Müdigkeit des Glaubens kommen.
Diesen Müden ist ihr Glaube zu selbstverständlich geworden.
Nichts reißt sie mehr vom Hocker. Das Kind in der Krippe, Jesus am Kreuz, die Auferstehung zu Ostern, die wunderbare Geistbegabung der Gemeinde am Pfingsttag:
Ja, klar, weiß ich, kenn ich schon.
Es gibt Menschen, die reißt hier wirklich nichts mehr vom Hocker. Sie bleiben hocken.
ICH bleibe hocken.
Gemeinden werden zu verhockten Gemeinden,
zu einer Gemeinde, die sitzt.
Eine Kirche, die vor lauter Sitzungen blass und blässer wird. Quasimodogeniti? Wiedergeburt, wie neu geboren? Hier? Heute?
Müde werden Menschen aber nicht erst seit heute oder gestern.
Müdigkeit ist im Leben wie Geburt oder Tod im Leben sind.
Beim Propheten Jesaja steht, ich lese den Predigttext aus Jesaja 40 ab Vers 26:
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?
28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
29 Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; 31 aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.
Die Fragen, die Jesaja stellt, sind keine Vorwürfe. Sie sind Ausdruck der Sorge. Die Fragen eines Menschen, der zuhört, was die Menschen so reden. Der sich Zeit nimmt, wenn sie das Schweigen brechen. Fragen eines Seelsorgers.
Er hört: „Nach mir schaut eh keiner.“ „Wer interessiert sich schon für mich?“ „Wer fragt nach meiner Meinung?“ „Recht bekommt, wer die Macht hat- ich habe keine.“ „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Müde Menschen.
Jesaja weiß, dass er in Gottes Auftrag steht. Dass Gott wach ist und wach macht. Seine Fragen: Behutsam aufmunternd.
Warum denkst du, du seist von Gott benachteiligt? Gar vergessen? Du kämst im Leben zu kurz? „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört?“ Siehst Du nicht? „Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt.“
RIECHST DU NICHT? Es ist Frühling draußen, seinen Duft könntest du wahrnehmen.
HÖRST DU NICHT: „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“
Nein, du kannst es nicht wissen, weil niemand sie zählen kann.
„Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl“ (Lied 511).
Oder wem das zu sehr nach Kinderlied klingt:
SIEHST DU NICHT?
Nein, ich sehe gerade nicht, mein Kopf hängt ja nach unten.
Da kann man nur von einem Schritt zum Nächsten sehen, man verliert das Große, das Ganze aus dem Blick.
Also nimm wenigstens den Kopf hoch, sieh nach vorn, besser noch nach oben, ganz nach oben, über die Berge hinaus. Am besten, wenn es dunkel wird, im Urlaub an der See oder im schwedischen Wald.
„Wer hat dies geschaffen?“
Niemand von uns.
Auch die nicht, die uns das Leben schwer machen.
Ja, sie führen sich so auf, als seien sie ein Star, den alle bewundern müssten.
Machen DIR zu schaffen. Aber GESCHAFFEN haben sie nichts von allem, was da ist.
Wenn du wirklich Großes sehen willst, sieh in das Universum hinein. In die Gesetze der Natur. Auf die weite Welt, in den unendlichen Kosmos.
Dein Gott hat das alles geschaffen. Er ist der Herr des Universums.
Er erlässt die Gesetze, die wirklich gelten – in der Natur, sogar im Weltall.
Das ganze große Heer der Sterne, „er führt es vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen“ Den Planeten Mars und den Fixstern Sirius, das Sternbild Kassiopeia und den Orion und die Plejaden.
Und die Gestirne am Himmel, sie FOLGEN den Gesetzen ihres Schöpfers. Die Planeten ziehen ihre Umlaufbahn, die Sterne folgen den Natur- Gesetzen ihres Schöpfers. Das alles ist so unendlich groß, dass kein Mensch es je erfassen kann. Selbst alle Menschen zusammen nicht, die leben oder je gelebt haben werden.
Wir wissen es doch:
Acht Lichtminuten braucht ein Sonnenstrahl von der Sonne bis auf unsere Erde. Mit Lichtgeschwindigkeit, der schnellsten, die wir heute kennen.
Wir wissen es doch:
Das Universum ist nach den Berechnungen unserer Astronomen mehr als 10 Milliarden Lichtjahre groß. Das heißt: Das Licht von den fernsten Sternen wäre bis zum anderen Ende des Weltalls zehn Milliarden Jahre unterwegs.
Wir wissen es doch:
Niemand wird jemals auch nur AHNEN können, was am Ende des Universums gerade jetzt geschieht, geschweige denn Gottes Schöpfermacht ermessen können. Gottes Energie ist wirklich gewaltig. Gott hat Kraft – mehr als alle Sonnen zusammen.
Und bevor man sich als Staubkorn im Weltall fühlt, wenn also wieder alles um dich herum grau in grau wird, lass dir von ihm helfen.
ER ist überhaupt der einzige, der das könnte, kein Mensch kann das.
Nimm wenigstens den Kopf hoch, dass Du es SEHEN kannst:
Dass du sein Geschöpf bist. Dass es Beweis seiner Liebe ist, dass es Dich gibt.
Was dich klein macht, ist NICHTS im Verhältnis zu dem, der dich groß macht.
Dein Weg führt zu Gott, von dem
und durch den
und zu dem DU BIST.
JA DOCH! Rieche ich! Höre ich! Sehe ich! Verstehe ich!
UND JETZT?
Warum passiert nichts?
Meine Schwestern, meine Brüder:
Weil der Schluss noch kommt. Das Leben noch gelebt wird. Die Entdeckung des größten Wunders noch aussteht. Dieses Wunder beschreibt Jesaja so:
Die „auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren wir Adler…“
Was steckt in diesem Bild?
Zuerst die Beobachtung des Segelfluges. Egal ob Adler oder Möwen: Sie flattern nicht herum, machen nicht viel Wind, strengen sich sichtlich NICHT an, um in große Höhen zu steigen.
Sie LASSEN sich in die Höhe tragen, nützen die Naturkraft der Thermik. In aufsteigenden Warmluftströmen steigen diese Vögel in Spiralen kreisend allmählich in die Höhe. Scheinbar schwerelos. Stundenlang. Immer wieder neu.
Wer seine Zuversicht auf Gott setzen kann, wird von ihm in die Höhe getragen werden. Freiheit ohne Grenzen erleben. Den großen Überblick bekommen.
Solange er nicht in den Fehler verfällt, sich abzustrampeln und aus eigener Kraft erreichen zu wollen, was doch kein Mensch erreichen kann.
Wer nur auf sich selbst vertraut, wird müde.
Aber unermüdlich ist, wer auf den Herrn harrt.
Das ist das zweite in diesem Bild.
Harren, beharren, beharrlich sein, beharrlich bleiben:
Das bedeutet entschlossen, ausdauernd, eisern dabei bleiben, dass von Gott Hilfe kommen kann, und NUR von ihm, weil niemand vermag, was er vermag:
Durch das Leben und den Tod zu tragen
kann NUR der, der Himmel und Erde gemacht hat.
Und mich.
NUR wenn ich auf den Herrn HARRE,
werde ich die Chance bekommen zu sehen,
dass Ostern für MICH geschehen ist.
Werde die Gottes Kraft spüren, die mich höher und höher steigen lässt.
Werde ich Gottes Liebe erleben, die mir neues Leben schenkt.
Wer auf den Herrn harrt, nicht manchmal sondern stets,
wird ihn erleben können,
diesen einzigartigen Moment des Staunens,
wie früher als kleines Kind,
diesen Augenblick, in dem man erkennt:
Die Liebe Gottes,
die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
haben wir doch zu unserer Taufe geschenkt bekommen.
Sie werden uns neu werden lassen.
Quasimodogeniti. AMEN.
EG 111: 13-15
13. Lebt Christus, was bin ich betrübt?
Ich weiß, dass er mich herzlich liebt;
wenn mir gleich alle Welt stürb ab,
g’nug, dass ich Christus bei mir hab.
Halleluja.
14. Mein Herz darf nicht entsetzen sich,
Gott und die Engel lieben mich;
die Freude, die mir ist bereit’,
vertreibet Furcht und Traurigkeit.
Halleluja.
15. Für diesen Trost, o großer Held,
Herr Jesu, dankt dir alle Welt.
Dort wollen wir mit größerm Fleiß
erheben deinen Ruhm und Preis.
Halleluja.

