Singt! (EG 100)

Zum Erkennen kommt Gefühl
zum Wort der Ton
zur Bewegung der Takt
aus dem Menschen kommt ein Lied
frei, ohne jede Hemmung, ja:

Gott schenkt uns diesen Tag
unser Leben
unser Glück

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn
er tut Wunder.
Ps 98,1
***
Wie war das gleich? „Als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, begann die ganze Jüngerschar voll Freude mit gewaltiger Stimme Gott zu loben um all der Wunder willen, die sie gesehen hatten…“. Nicht nur die Zwölf, sondern alle, die mit Jesus in Jerusalem eingezogen waren.

Worte des 118. Psalms waren es, die sie sicher nicht riefen, sondern laut sangen. Sie werden die Melodie dazu gekannt haben, anders als wir Bibelleser heute. „Gepriesen sei, der da kommt, der König, im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!“

Voller Begeisterung, aus vollem Halse. Offenbar nicht gepflegt vierstimmig, sondern ähnlich wie die Fan-Gesänge gestern, als Bayern München zum siebenten Mal in Folge Deutscher Fußballmeister wurde.

Die Pharisäer nervt das: „Meister, bring deine Jünger zum Schweigen!“ Aber Jesus lässt sie abblitzen. „Ich sage euch: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.“

Es wird keine Ruhe geben können, wenn es um die Großtaten Gottes geht. Niemals. Selbst wenn die Menschen schweigen würden: Dann würden eben die Steine „voll Freude mit gewaltiger Stimme Gott … loben um all der Wunder willen, die sie gesehen hatten…“. Denn bei Gott ist auch das möglich: Schreiende Steine.

Die Menge, die Jesus nach Jerusalem gefolgt war, hatte allen Grund, ihre Freude laut hinauszurufen. Sie hatten erlebt, wie Jesus ihnen das Herz für Gottes Wort aufschloss. Wie er Menschen heilte, die krank am Wegesrand lagen und für die sich sonst niemand zu interessieren schien. Sie spürten, dass die Sensation ihres Lebens in der Luft lag.

Heute ist der vierte Sonntag nach Ostern. Auch wir haben allen Grund, unsere Freude nicht für uns zu behalten. Fröhlichkeit in die Welt zu tragen. Laut zu singen: Wir wollen alle fröhlich sein, Nummer 100, Strophe 1.

1. Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit;
denn unser Heil hat Gott bereit’.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Die Sensation, die in der Luft lag, sollte sich zunächst wie eine Katastrophe anfühlen. Jesus aus Nazareth, bejubelt und auf Händen getragen, endet nach nur wenigen Tagen in Jerusalem wie ein Verbrecher am Kreuz. Den Vielen bleibt der Freudengesang im Hals stecken.

„Am dritten Tage auferstanden von den Toten“: Die wirkliche Sensation sollte aber kommen und ließ nicht lange auf sich warten. Die „österliche Zeit“ änderte alles. „… denn unser Heil hat Gott bereit“. Dass Jesus, der Christus, nicht im Grab blieb, sondern auferweckt wurde: Das ändert das Leben derer, die an ihn glauben.

Darum kommt das Halleluja nicht zu kurz. Der Refrain ist besonders herausgehoben, ist er doch genau so lang wie die Strophen. „Halleluja“ leitet sich aus dem Hebräischen ab und heißt übersetzt „lobt Jah“, wobei „Jah“ für JHWH, also Gott steht. „Lobt Gott, lobt Gott, lobt Gott, lobt Gott, gelobt sei Christus, Marien Sohn.“ Der Lob Gottes des Vaters und Gottes des Sohns geschieht im selben Atemzug.

2. Es ist erstanden Jesus Christ,
der an dem Kreuz gestorben ist,
dem sei Lob, Ehr zu aller Frist.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Hier beschreibt Cyriakus Spangenberg, wo „unser Heil“, dass „Gott bereit“ hat, seine Wurzel hat: Es ist erstanden Jesus Christ, der an dem Kreuz gestorben ist.

Cyriakus Spangenberg wurde 1528 geboren, gestorben ist er 1604. Er kannte Luther noch persönlich. Als Student in Wittenberg war er oft Gast im Hause Luther gewesen, und der hatte ihn offenbar so sehr beeindruckt, dass Spangenberg sich vorgenommen hatte, ein „demütiger Schüler“ Luthers zu bleiben.

Nach seiner Studienzeit in Wittenberg ging er nach Eisleben, wo er mit nur 19 Jahren Magister am Gymnasium wurde. Später wurde er Stadt- und Schlossprediger in Mansfeld und Generaldekan der Grafschaft Mansfeld.

Spangenberg war eifriger Geschichtsschreiber und Dichter. Der Graf von Mansfeld ließ in seinem Schloss sogar extra eine Druckerei einrichten, um die Werke Spangenbergs drucken zu können.

Wobei Spangenbergs besondere Liebe dem geistlichen Lied galt. Er hat zum Beispiel 76 Predigten über Luthers Gesangbuch gehalten und selbst geistliche Lieder geschrieben, unter anderem „Wir wollen alle fröhlich sein“.

Für dieses Lied griff Spangenberg eine Melodie aus dem 15. Jahrhundert auf. Die erste Strophe gab es wohl schon, das „Resurrexit Dominus“ aus dem 15. Jahrhundert wurde ins Deutsche übertragen und hieß dann „We schollen alle vrolik sin“.

Das passte zu Spangenberg. Denn er ermahnte seine Kollegen ständig, verständlich zu predigen und volkstümlich zu singen. Der Text der zweiten bis zur fünften Strophe geht dann auf ihn selber zurück.

Mit der dritten Strophe jetzt bringt er das Lied für mich auf den Höhepunkt. Sind die ersten beiden Strophen die Erinnerung an das Ostergeschehen, das ja fast zweitausend Jahre zurück liegt, geht es in der dritten Strophe um den Grund, aus dem Ostern jetzt ein Fest ist für alle Zeit ein Fest bleiben wird:

3. Er hat zerstört der Höllen Pfort,
die Seinen all herausgeführt
und uns erlöst vom ewgen Tod.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Die Pforte der Hölle zerstört, alle Seelen daraus befreit, dem Tode die Macht genommen, für uns Menschen das Ende zu sein für immer: Halleluja, besser kann es doch nicht kommen.

Denn das bedeutet doch: Auch wenn ich sterben muss- ewig wird der Tod nicht sein. Jesus wird mich nicht im Reich des Todes lassen, sondern in Gottes Reich hinausführen. So wie er selbst in Gottes Reich geführt wurde.

Grund zum Jubel nicht nur für mich, sondern für alle:

4. Es singt der ganze Erdenkreis
dem Gottessohne Lob und Preis,
der uns erkauft das Paradeis.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Mich erinnert diese 4. Strophe an Nikolaus Herman, der im Lied „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ (EG 27) das Paradies, aus dem die Menschen einst vertrieben worden waren, durch die Geburt Jesu zu Weihnachten nicht mehr abgeschlossen und bewacht vorfindet: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis!“ heißt es da in der letzten Strophe.

Das Paradies, durch die Geburt Jesu wieder erreichbar, ist nach Christi Auferstehung nach Spangenbergs 4. Strophe nun endgültig unser Eigentum. Das Paradies als der Ort, an dem der Mensch frei von aller Lebenslast in Gottes steter Fürsorge lebt. An dem Gut und Böse keine Rolle spielen, weil die Schöpfung und jedes Leben so schön sind, wie nur ein riesiger, kühler Garten im ewigen Sommer schön sein kann, voller bunter Blüten, schmackhafter Früchte und kühlenden Seen.

5. Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit.
Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Das Paradies gehört uns- Grund zur Freude, die länger anhält als die Freude über einen gewonnenen Fußballtitel. Nämlich ewig.

Nun mag mancher einwenden: Das Paradies auf Erden haben wir damit aber nicht. Unrecht und Krankheit, Menschen leben auf der Flucht unter lebensverachtenden Umständen, Kinder um ihre Kindheit betrogen: Das ist die Welt, wie wir sie erleben.

Aber da sind wir wieder am Anfang unseres Gottesdienstes. Bei Psalm 98, der nicht müde wird, Gott zu loben, der nicht müde wird. „Denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.“ Dessen ist sich der Psalmist sicher: Das Ende wird Gottes Ende sein, und es bedeutet für alle Völker Gerechtigkeit.

Ist das einfach nur blinder Trotz? Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende?

Seit Ostern haben wir den Pfand, den Beleg dafür, dass das Paradies für uns nicht verloren ist. Das Gottesversprechen, dass der Tod auch für uns nicht das Ende sein wird. Gott hat seinen Sohn auferweckt, er wird auch uns nicht der Macht des Todes überlassen.

Das macht unser Leben zu einem guten Leben. Wir Christen sind nicht die besseren Menschen, aber wir können anders leben, denn wir haben Einblick und Aussicht auf das Paradies.

So können wir Freunde schon dieses Lebens sein, was immer es uns auch bringen mag, denn am Ende wird Gott stehen, der uns in seine Arme schließt.

Eine Liebeserklärung an das Leben, das in Gottes Hand liegt und dort auch bleibt: Das ist Psalm 98, und nach Ostern haben wir allen Grund, in diese Liebeserklärung einzustimmen. Und weil heute der Sonntag Kantate ist, möchte ich das mit einem Lied machen, das aus Psalm 98 entstanden ist.

Der Text ist von Strophe zu Strophe nur leicht variiert:
Ich sing dir mein Lied- in ihm klingt mein Leben. Die erste Zeile bleibt immer gleich.

Ändern wird sich dann je der Anfang der zweiten Zeile: Die Töne, den Klang // den Rhythmus, den Schwung// die Tonart, den Takt// die Höhen und Tiefen – sie machen das Lebenslied aus, das Gott uns schenkt und singen lässt.

Zeile drei besingt dann von Strophe zu Strophe verschieden die Schönheit des Lebens,
und in den letzten Strophen-Zeilen ändert sich dann je der Anfang:
Du Quelle//du Hüter// du Wunder// du Freundin// du Zukunft – des Lebens- ja, all das ist Gott.

Die Melodie stammt aus Brasilien und ist für mich ein echter Ohrwurm, ich summ sie euch gleich mal vor:

LIED (Singt Jubilate 110)

1. Ich sing dir mein Lied/ in ihm klingt mein Leben
Die Töne den Klang/ hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde
du Quelle des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

2. Ich sing dir mein Lied/ in ihm klingt mein Leben
Den Rhythmus, den Schwung/ hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

3 Ich sing dir mein Lied/ in ihm klingt mein Leben
Die Tonart, den Takt/ hast du mir gegeben
die Nähe, die heil macht, wir können dich finden
du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

4 Ich sing dir mein Lied/ in ihm klingt mein Leben
Die Höhen, die Tiefen / hast du mir gegeben
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung
du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

5 Ich sing dir mein Lied/ in ihm klingt mein Leben
Die Töne den Klang/ hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ja, wir haben wirklich Grund zum Singen, denn:

Er hat zerstört der Höllen Pfort,
die Seinen all herausgeführt
und uns erlöst vom ewgen Tod.

AMEN

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