Christus wird, was ich bin (Martin Luther und Jes 9)

Großer Frieden
mitten in Terror, Krieg und Leid dieser Welt
Große Gerechtigkeit
mitten in den Korruptionen und Ungerechtigkeiten unserer Tage
Bei Gott ist das alles möglich
was bei den Menschen unmöglich ist
Wir feiern die Heilige Nacht

Das Wort ward Fleisch
und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit.
Johannes 1,14a
***

Der Friede Gottes sei mit Euch allen! Amen.

Im 500. Jahr nach dem Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg möchte ich diese Predigt mit einem Zitat Martin Luthers beginnen:

„Die Weihnachtsgeschichte ist leicht verständlich,
und ihr kennt sie doch wohl alle gut.
Dennoch fehlt es immer noch am Glauben.
Denn sie ist bald gelernt und hergesagt;
aber dass das Herz auch daran glaube, das geht nicht so schnell.

Es geht uns oft genug so, dass wir das Wort vergeblich hören.
Es ist uns ein Getöne in unseren Ohren,
aber wir vergessen gleich wieder.
Es ist ein Jammer, dass der Mensch so ganz verblendet sein kann,
dass wir uns von dieser Freude nicht bewegen lassen.

Was ist andere Freude im Vergleich mit dieser?
Gold, Freunde, Macht und Ehre usw. kann uns nicht so erfreuen
wie die frohe Botschaft, dass Christus Mensch geworden ist.
Eines Menschen Herz kann es nicht erdenken
noch genug davon reden.

Gott muss die Menschen von Herzen lieben,
dass er uns eine solche Tat hören lässt,
dass er mich nicht allein liebt, sondern
mir so NAHE kommt, dass er mit mir Mensch wird.
Er wird, was ich bin.

Dafür sollten alle Herzen vor Dankbarkeit und Liebe zerschmelzen.
Christus wird, was ich bin.“

Was meint Luther damit: Christus wird, was ich bin? Was bin ich? Und was seid ihr? Denn Christus ist doch für alle geworden, was sie sind!

Zuerst natürlich: Ich bin Mensch. Das trifft für uns alle zu. Aber wir sind nicht alle gleich. Wir sehen nicht nur sehr unterschiedlich aus, wir denken, fühlen und leben unterschiedlich.

Die einen sind heute hier voller Freude über diesen Tag. Das Fest ist vorbereitet, sie Stimmung ist feierlich und froh, die Familie kommt gern zusammen, zufrieden und glücklich trifft man sich um Baum und Geschenke, mit Liedern und gutem Essen, Zeit füreinander und miteinander.

Andere haben nichts von all dem. Es ist das erste Weihnachtsfest allein. Ohne den Menschen, mit dem man bisher fast sein ganzes Leben geteilt hat. Vielleicht sogar ohne irgendeinen anderen Menschen, mit dem man feiern könnte. Oder in der Sicherheit, dass es das letzte Weihnachten ist, weil Krankheit das Leben zum Ende führt, ohne Rücksicht, ob die Zeit erfüllt ist oder nicht.

Erst recht, wenn wir aus dieser Kirche hinaussehen, wird klar, wie unterschiedlich Weihnachten heute ist- für die im Wohlstand oder die in Armut; für die in Sicherheit oder die auf der Flucht; für die in Geborgenheit oder die im Krieg.

Manch einer könnte meinen, die einen seien von Gott belohnt, die anderen hätte Gott verlassen. Aber Menschen, die an Gott glauben, haben verstanden, dass Gott niemanden verlässt. Schon der Prophet Jesaja hat daran erinnert, in Kapitel 9 steht im heutigen Predigttext:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht,
und über denen, die da wohnen im finsteren Lande,
scheint es hell.
Du weckst lauter Jubel, du machst groß die Freude…
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder- Rat, Gott- Held, Ewig- Vater, Friede- Fürst.

Nicht nur für den, dem es gut geht, nein, sogar für ein ganzes Volk, dem es schlecht geht, wird es hell. Und das liegt nicht am Stromversorger, der ordentliche Arbeit leistet oder an der Weihnachtsbeleuchtung, die überall installiert ist. Es liegt auch nicht daran, dass die Parteien im Bundestag sich endlich auf eine Koalition geeinigt hätten. Oder dass Nordkorea seine Atomambitionen begraben, der Krieg in der Ukraine oder der Terrorismus in Afghanistan oder sonst auf der Welt sein Ende gefunden hätte.

Es liegt an einem Kind. An einem schutzbedürftigen Neugeborenen. An einem neuen, an den Maßstäben unseres Lebens wehrlosen Menschenleben. Auf ihm ruht alle Hoffnung, aber auch alle Last der Welt. Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.

Dieses Kind wird Rat in jeder Lebenslage geben, auch wenn das ganze Leben Finsternis ist.  Darum heißt es Wunder- Rat.

Dieses Kinde wird eine Herrschaft aufrichten, die ihresgleichen nirgends auf der Welt findet, weil es Gottes Herrschaft sein wird: Darum heißt es Gott- Held.

Diesem Kind werden sich Menschen aller Generationen verbunden wissen. Egal ob sie waren, ob sie sind oder sein werden. Darum heißt es Ewig-Vater.

Dieses Kind wird schaffen, was keinem Menschen vor ihm und keinem nach ihm gelingt: Es wird Frieden stiften. Frieden, der diesen Namen wirklich verdient, weil er größer ist, als all unser Denken es fassen kann. Darum heißt es Friede-Fürst.

All das kann kein einfacher Mensch schaffen. Jeder von uns weiß das. Darum wurde Gott selbst Mensch: Zur Weihnacht. Darum sind wir hier, darum feiern wir dieses Fest.

Gott wird Mensch. Angewiesen auf Schutz wie jedes Neugeborene. Auf ihm ruht alle Hoffnung, aber auch die Last der Welt. Die Engel singen davon, die Hirten hören davon. Sie werden sich aufmachen, um zu sehen, was sie hören. Auch die Weisen aus dem Morgenland werden kommen, um zu sehen und die Knie zu beugen. Niemand zwingt sie dazu – aber niemand von ihnen möchte verpassen, was hier geschieht.

Das Kind in der Krippe wird später zum Lehrer. Egal, wie aussichtslos die Lebenslage ist: Wer Jesus Christus fragt, erhält gute Antwort. Ein Wunder, dass es diese Antworten tatsächlich gibt.
Dieses Kind heißt darum zu Recht Wunder- Rat.

Jesus Christus hat aus der Krippe heraus eine Herrschaft aufgerichtet, die ihresgleichen nirgends auf der Welt findet. Es ist Gottes Herrschaft. Eine Herrschaft, die auskommt ohne Zwang, Gewalt und Unterdrückung. Weil es die Herrschaft der Herzen ist. Herzen, die für die Liebe Gottes unter den Menschen leben.
Dieses Kind heißt darum zu Recht Gott- Held.

Diesem Kind wissen sich Menschen aller Generationen verbunden. Weil Gott Mensch geworden ist, können wir ihn mit „unser Vater im Himmel“ ansprechen. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist es heute, die daran fest hält:
Dieses Kind heißt zu Recht Ewig-Vater.

Jesus Christus schafft Frieden, der diesen Namen wirklich verdient. Wer ihm begegnet, wird niemanden mehr bedrängen, ihm seine Wahrheit aufzuzwingen versuchen oder gar Gewalt anwenden. Weil Jesus uns nicht nur sagt, wie wahre Liebe aussieht, sondern für die Liebe sogar ans Kreuz geht. Jesu Liebe übersteigt alles, was Menschen fassen können. Weil er sogar diejenigen liebt, die anderen Gewalt antun. Bis zu Selbstaufgabe. Wer das Kreuz sieht, weiß: Wahrer Friede ist nur da, wo Gottes Liebe ist.
Dieses Kind heißt darum zu Recht Friede Fürst.

Zurück zu Martin Luther, liebe Gemeinde.

Wenn man ihn hört, weiß man: Es hat sich nichts geändert. Die Weihnachtsgeschichte gelesen oder gehört hat irgendwann jeder. Und es bleibt ein Jammer, dass sich nicht alle Menschen von der Freude anstecken lassen, die ihnen in die Krippe gelegt worden ist.

Aber das ist auch nicht so einfach. Denn die Größe dessen, was zur Weihnacht geschieht, durchzubuchstabieren – dazu braucht man alle Jahre wieder die Weihnacht. Lebenslang.

Also: Lasst dieses Kind das Licht der Liebe auch in euer Leben tragen. Es vermag nicht nur den Weihnachtsbaum, sondern das ganze Leben hell und warm zu machen. Selbst am Kreuz strahlt dieses Licht.

Begebt Euch unter die Herrschaft der Krippe- die Herrschaften dieser Welt mögen ja nötig sein, aber das Heil des Lebens liegt in der Krippe. „Dafür sollten alle Herzen vor Dankbarkeit und Liebe zerschmelzen. Christus wird, was ich bin.“
Gott neben, bei und in mir.
Gott für mich. So nah, dass ich ihn lieben kann.
Licht meines Lebens.
Amen.

Predigt-Lied: Gesangbuch Nummer 33
Brich an, du schönes Morgenlicht, und lass den Himmel tagen! Du Hirtenvolk, erschrecke nicht, weil dir die Engel sagen,/ dass dieses schwache Knäbelein soll unser Trost und Freude sein,/ dazu den Satan zwingen und letztlich Frieden bringen.
2. Willkommen, süßer Bräutigam, du König aller Ehren! Willkommen, Jesu, Gottes Lamm,/ ich will dein Lob vermehren;/ ich will dir all mein Leben lang von Herzen sagen Preis und Dank,/ dass du, da wir verloren,/ für uns bist Mensch geboren.
3. Lob, Preis und Dank, Herr Jesu Christ, sei dir von mir gesungen, dass du mein Bruder worden bist /und hast die Welt bezwungen; hilf, dass ich deine Gütigkeit/ stets preis in dieser Gnadenzeit/ und mög hernach dort oben/ in Ewigkeit dich loben.

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2 Kommentare zu Christus wird, was ich bin (Martin Luther und Jes 9)

  1. Jürgen W. A. Henk sagt:

    Du hast ja so Recht, ich traue mich nìcht irgend etwas dazu zu kommentieren, weil vielmehr gesagt wurde als ein Einzelner überhaupt erfassen kann.

    Liebe Grüße Jürgen

  2. Reinholz sagt:

    Eine gute Weihnachtspredigt lieber Malte! Danke Birgitt

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