Gottesdienst Trinitatis 2020 Nachlesen und Anhören

GLOCKEN, dabei
Willkommen zu unserem Gottesdienst
am Sonntag Trinitatis.

Die Lieder dafür finden Sie im Evangelischen Gesangbuch.
Ich sage sie jeweils an; wer sie schon vorher heraussuchen will, es sind die Nummern:
133/281/129/139 und 421.
Lektorin ist Sabine Dörr;
mein Name ist Malte Koopmann.
Als Musik zum Eingang hören Sie heute
Johann Sebastian Bach
„Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“
MUSIK zum Eingang

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes./ Amen./ Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,/ der Himmel und Erde gemacht hat, /der Bund und Treue hält ewiglich/ und der nicht preisgibt das Werk seiner Hände.

Gott ist einer. Und zugleich drei:
Vater, Sohn und Geist.
So versuchen wir Menschen,
Gottes Geheimnis zu beschreiben.
Ein Geheimnis,
das unser Leben froh macht
und trägt.
Darum feiern wir das Fest der Heiligen Dreieinigkeit
am Sonntag TRINITATIS

LIED 133 1+2
1. Zieh ein zu deinen Toren,
sei meines Herzens Gast,
der du, da ich geboren,
mich neu geboren hast,
o hochgeliebter Geist
des Vaters und des Sohnes,
mit beiden gleichen Thrones,
mit beiden gleich gepreist.
2. Zieh ein, lass mich empfinden
und schmecken deine Kraft,
die Kraft, die uns von Sünden
Hilf und Errettung schafft.
Entsünd’ge meinen Sinn,
dass ich mit reinem Geiste
dir Ehr und Dienste leiste,
die ich dir schuldig bin.

LITURGISCHE HINFÜHRUNG + SP
Das Geheimnis Gottes feiern
ohne es zu zerreden
das Geheimnis seiner Macht
das Geheimnis seiner Nähe
das Geheimnis seines Lebens

Geheimnis des Glaubens:
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
2. Kor 13, 13
***
Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen
und mit Psalmen ihm jauchzen!
Denn der Herr ist ein großer Gott.
Lasst auch uns ihn loben mit Worten des 113. Psalms:
1 Halleluja!
Lobet, ihr Knechte des HERRN,
lobet den Namen des HERRN!
2 Gelobt sei der Name des HERRN
von nun an bis in Ewigkeit!
3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
sei gelobet der Name des HERRN!
4 Der HERR ist hoch über alle Völker;
seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
5 Wer ist wie der HERR, unser Gott,
der oben thront in der Höhe,
6 der niederschaut in die Tiefe,
auf Himmel und Erde;
7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube
und erhöht den Armen aus dem Schmutz,
8 dass er ihn setze neben die Fürsten,
neben die Fürsten seines Volkes;
9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt,
dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

LIED 281,3
3. Anbetung, Ehre, Dank und Ruhm/ sei unserm Gott im Heiligtum,/ der Tag für Tag uns segnet;/ dem Gott, der Lasten auf uns legt,/ doch uns mit unsern Lasten trägt/ und uns mit Huld begegnet./ Sollt ihm, dem Herrn der Herrlichkeit,/ dem Gott vollkommner Seligkeit,/ nicht Ruhm und Ehr gebühren?/ Er kann, er will, er wird in Not/ vom Tode selbst und durch den Tod/ uns zu dem Leben führen.

LEKTORIN
Ich erinnere an das vierte Gebot:
Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes.
Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter,
dein Knecht, deine Magd, dein Vieh,
auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.
Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht,
und das Meer und alles, was darinnen ist,
und ruhte am siebenten Tage.
Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.

Der Heidelberger Katechismus erklärt dazu:
Gott will zum einen,
dass das Predigtamt und die christliche Unterweisung erhalten bleiben
und dass ich, besonders am Feiertag,
zu der Gemeinde Gottes fleißig komme.
Dort soll ich Gottes Wort lernen, die heiligen Sakramente gebrauchen,
den Herrn öffentlich anrufen
und in christlicher Nächstenliebe für Bedürftige spenden.
Zum andern soll ich an ALLEN Tagen meines Lebens
von meinen bösen Werken ablassen
und den Herrn durch seinen Geist in mir wirken lassen.
So fange ich den ewigen Sabbat schon in diesem Leben an.

Schließlich:
Können aber die zu Gott Bekehrten diese Gebote vollkommen halten?
Nein, sondern es kommen auch die frömmsten Menschen
in diesem Leben über einen geringen Anfang
dieses Gehorsams nicht hinaus.
Wohl aber beginnen sie, mit fester Absicht
nicht nur nach einigen, sondern nach allen Geboten Gottes zu leben. AMEN.

Im Licht der Gebote Gottes ist zu erkennen,
wie sehr wir angewiesen sind
auf die Barmherzigkeit des Herrn.
Lasst uns beten:

Heiliger Gott,
Wir haben viele Gründe,
deinen Namen zu loben.
Auf dich ist Verlass.
Du bleibst uns treu.
Vieles andere ist ins Wanken geraten:
Ein Virus stellt unseren Alltag auf den Kopf,
Menschen haben uns enttäuscht,
Werte haben sich geändert
und wir stehen oft so unter Druck,
dass wir schon mit Angst aufwachen.

Gott, du weißt,
wie verunsichert wir im Innersten sind,
an wie vielen Verletzungen wir leiden
und wie viel Scham und Wut
wir hinter unseren Tages-Masken verbergen.
Behüte uns vor allem,
was uns krank macht.
Hilf uns, wenn wir zu zerbrechen drohen.
Sei uns gnädig
und leite uns mit deiner Güte
durch unser wechselhaftes Leben.
AMEN

Der Herr ist treu, der uns erschaffen hat,
er schenkt uns Gnade, wenn wir ihn bitten.
Halleluja!
Lobet den Herrn für seine Taten,
lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit!
Halleluja! AMEN.

LIED 129 3+4
3. Verleih, dass wir dich lieben,/ o Gott von großer Huld,/ durch Sünd dich nicht betrüben,/ vergib uns unsre Schuld,/ führ uns auf ebner Bahn,/ hilf, dass wir dein Wort hören/ und tun nach deinen Lehren:/ das ist recht wohlgetan.
4. Von oben her uns sende/ den Geist, den edlen Gast;/ der stärket uns behände,/ wenn uns drückt Kreuzeslast./ Tröst uns in Todespein,/ mach auf die Himmelstüre,/uns miteinander führe/ zu deinem Freudenschein!

Aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom 11 33-37
33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! 34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) 35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3) 36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!
Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren! (Lk 11, 28)
AMEN.

Als Bekenntnis lasst uns gemeinsam die Antwort
zu Frage 1 des Heidelberger Katechismus sprechen.
Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Dass ich mit Leib und Seele
im Leben und im Sterben
nicht mir,
sondern meinem getreuen Heiland
Jesus Christus gehöre.
Er hat mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden
vollkommen bezahlt
und mich aus aller Gewalt
des Teufels erlöst;
und er bewahrt mich so,
dass ohne den Willen
meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen,
ja, dass mir alles
zu meiner Seligkeit dienen muss.
Darum macht er mich auch
durch seinen Heiligen Geist
des ewigen Lebens gewiss
und von Herzen
willig und bereit,
ihm forthin zu leben.
AMEN

Das WochenLIED
139 1-3
1. Gelobet sei der Herr,/ mein Gott, mein Licht, mein Leben,/ mein Schöpfer, der mir hat/ mein’ Leib und Seel gegeben,/ mein Vater, der mich schützt/ von Mutterleibe an,/ der alle Augenblick/ viel Guts an mir getan.
2. Gelobet sei der Herr,/ mein Gott, mein Heil, mein Leben,/ des Vaters liebster Sohn,/ der sich für mich gegeben,/ der mich erlöset hat/ mit seinem teuren Blut,/ der mir im Glauben schenkt/ das allerhöchste Gut.
3. Gelobet sei der Herr,/ mein Gott, mein Trost, mein Leben,/ des Vaters werter Geist,/ den mir der Sohn gegeben,/ der mir mein Herz erquickt,/ der mir gibt neue Kraft,/ der mir in aller Not/ Rat, Trost und Hilfe schafft.

LASST UNS BETEN:
Dreieiniger Gott,
du hast uns deine Herrlichkeit offenbart.
In Jesus Christus sammelst,
schützt und erhältst du deine Gemeinde.
Durch deinen Geist schenkst du uns Freiheit.
Wir bitten dich:
Erhalte uns das Vertrauen zu dir
und lass unser ganzes Leben ein Lobpreis für dich sein.
AMEN

GNADE SEI MIT EUCH und Friede von dem,
der da ist, der da war und der da kommt. AMEN!

Jeden Tag Sekt ist wie immer nur Selters. Das wissen alle. Oder anders: Viele Dinge verstehen wir nur, weil wir die Gegenstücke kennen. Was hell ist, verstehen wir nur, weil wir auch wissen, was dunkel ist. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Und was fröhlich ist, begreifen wir am besten an den Tagen, an denen wir traurig sind. Warm braucht kalt, schwer braucht leicht, Glück braucht Unglück, Gesundheit Krankheit, Leben braucht Tod, Himmel braucht Hölle.

Unser Leben hängt in der Luft. Irgendwo zwischen Sekt und Selters, Frohsinn und Trauer, Gesundheit und Krankheit, Glück und Unglück, zwischen Himmel und Hölle. Niemand weiß, was morgen sein wird. Ob der Tag himmlisch wird oder die Hölle ist.

Und auch wenn manche das nicht gern hören: Genau das ist es, was unser Leben so schön macht. Dieses ständige Auf und Ab. Diese Unberechenbarkeit. Das Wissen um die guten und die schlechten Tage.

Wenn wir die „schlechten“ Seiten des Lebens nicht hätten, hätten wir auch die guten nicht. Wer die Hölle nicht kennt, kennt auch den Himmel nicht. Unser Leben wäre langweilig, kein bisschen lebendig, es wäre tot. Das Schöne am Leben ist: Es hängt in der Luft.

Und eben weil wir beides kennen, wünschen wir uns lieber Sekt (es sei denn, wir mögen oder vertragen ihn nicht), Frohsinn, Gesundheit und Glück. Eben lieber den Himmel. Weil wir die Hölle zu kennen meinen.

Im Predigttext von heute geht es um einen Segen.
Was aber ist nun überhaupt Segen?
Und auch hier: Wieder einmal ist es am einfachsten, sich klarzumachen, was er denn NICHT ist. Im Lukasevangelium lesen wir beispielsweise: (6,28) „segnet, die euch verfluchen…“. Das erinnert das klare Gegenteil von Segen: Den Fluch. Schon zu Jesu Zeiten brauchten diese beiden Worte nicht erklärt zu werden, jeder wusste etwas mit ihnen anzufangen.

Segen und Fluch haben im Leben ihren Platz, solange Menschen denken können. Sie reichen bis in die älteste Geschichte der Völker zurück und haben sich in unserer Sprache manifestiert. Man redet vom Fluch, wenn irgendwer oder irgendwas etwas Schlechtes für das Leben mit sich bringt.

Welche Macht ein Fluch mit sich bringen kann, ist auch in vielen Märchen einprägsam beschrieben. Man denke nur an Dornröschen, wo ein Todesfluch am Tauftag der Königstochter im letzten Moment gerade noch rechtzeitig in einen hundertjährigen Tiefschlaf verwandelt werden konnte.

Unabhängig davon, welche Macht man persönlich dem Fluch oder dem Segen zubilligt: Einig sind sich alle Menschen darin, dass sie weder Segen noch Fluch selbst in der Hand haben – weil sie Gelingen oder Nichtgelingen des eigenen Lebens ebenfalls nicht selbst in der Hand haben.

Natürlich hängt es wesentlich vom Können eines Bauern ab, ob er eine Ernte einfahren kann oder nicht. Aber ob man es nun Glück oder Zufall oder Segen nennt: An dieser großen unbekannten Konstante hängt es, ob der Bauer gute oder schlechte Ernte einfährt.

Viele sind sogar der Ansicht, dass diese unbekannte Konstante den größeren Einfluss auf das Gelingen hat. Darum sagt der Volksmund: Die dümmsten Bauern ernten die größten Kartoffeln.

Segen ist das Gegenteil von Fluch. Segen hat man nicht selbst in der Hand. Wenn etwas gesegnet ist, dann geschieht es zum Guten. Darum ist er für viele Menschen eine der wichtigsten Dinge im Leben.

Segen in der Kirche oder durch die Kirche – selbst heute für viele immer noch wichtig. Egal ob die Segnung eines Neugeborenen, die „Einsegnung“ zur Konfirmation, die Segnung eines Brautpaares zur Hochzeit, die „Aussegnung“ auf der Beerdigung. Dazu diverse Segnungen bei Lebensjubiläen – Segen begleitet viele Menschen durch ihr ganzes Leben.

Und so ist der Segen Gottes offenbar auch „gedacht“. Im Predigttext für heute wird der Segen als etwas beschrieben, was für das Volk Israel seit dem Auszug aus der Sklaverei Ägyptens wichtig war. Und durch Jahrtausende hindurch bis heute wichtig geblieben ist.

Im 4.Mose Kapitel 6 ist ab Vers 22 zu lesen:
„Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

In drei eindrucksvollen Bildern wird hier beschrieben, wie Gott die Menschen erreicht.

Wenn er segnet, behütet er. Nimmt den Menschen in seinen Schutz. Was auch immer passiert. Jeder unserer Tage auf dieser Welt ist bedroht durch Unfall, Katastrophe oder Krankheit oder den Tod. Der Schutz Gottes gibt Kraft, alle Lebenskrisen zu überstehen. Auch die Corona-Krise. Und der Schutz Gottes reicht durch den Tod hindurch: Nie wird er eines seiner Geschöpfe verloren gehen. Ein durch Gott behüteter Tag – ein guter Tag für uns alle.

Wenn Gott segnet, schenkt er Licht und Gnade. Licht, das Erkenntnis schafft. Die Dunkelheiten, die unser Leben mit sich bringt, machen uns schwer zu schaffen. Wenn man nicht weiß, welcher Weg für einen der richtige ist. Wenn man nicht verstehen kann, welchen Sinn es haben soll, dass Trauer, Leid und Schmerz alle Freude zu ersticken drohen.

Wenn es in uns so dunkel ist, dass das Leben sinnlos zu werden droht, leuchtet Gottes Angesicht und lässt uns Gnade finden: Die Erkenntnis, dass jeder Tag mit Gott ein guter Tag für uns ist – ein gesegneter, erleuchteter Tag.

Wenn Gott segnet, sieht er auf den Menschen. Lässt ihn nicht aus den Augen. Sieht nicht weg. Dann gibt es keinen gottlosen Ort mehr auf dieser Welt. Der Mensch kann unter Gottes Blick Frieden finden. Ruhe für die Seele. Jeder Tag im Frieden Gottes ist ein guter Tag für uns- ein Tag, an dem wir beachtet gewesen sind.

In einer ungarischen Erzählung aus den 30ger Jahren wird von einem lutherischen Pfarrer berichtet, der erst seit kurzem in dieser Gemeinde ist und großen Wert auf eine liturgisch einwandfreie Feier des Gottesdienstes legt.

Neuerdings erlebt er aber immer kurz vor Ende des Gottesdienstes einen merkwürdigen Zwischenfall, der sich an beinahe jedem Sonntag wiederholt und ihn mehr und mehr ärgert.

Wenn er sich nach dem Vaterunser der Gemeinde zuwendet, die Arme hebt und den Segen spenden will, stürmt ein Junge in die Kirche, vielleicht 10 Jahre alt.

Er stoppt im Mittelgang, als ihn der Blick des Pfarrers trifft. Der Junge starrt in die Augen des Segnenden. Aber der Liturg aus Leidenschaft hat – anders als bei uns üblich – den Segen zu singen und bemüht sich darum, trotz dieser Störung den Gottesdienst würdig zu beenden.

Der Pfarrer kocht langsam vor Zorn über die Unverfrorenheit dieses Jungen. Denn bevor er ihn zur Rede stellen kann, ist er wieder verschwunden- um vielleicht gleich am kommenden Sonntag wieder zum gleichen Spiel aufzutauchen.

Erst bei einem Besuch im Bahnwärterhäuschen vor der Stadt klärt sich dieses seltsame Treiben auf. Der Pfarrer lernt dort nämlich den Vater des Jungen kennen, der schon älter und verwitwet ist und allein lebt mit seinem Jungen. Aus gesundheitlichen Gründen kann er nur noch mit Mühe den Dienst in dieser Nebenstelle verrichten.

Sein Junge hilft ihm nun, wo er kann, damit er nicht vorzeitig in den Ruhestand und damit in Armut geschickt wird. Früher ging der Mann regelmäßig in die Kirche. Aber nun fahren seit kurzem gerade zur Gottesdienstzeit mehrere Schnellzüge durch. Da muss er zur Stelle sein.

Also rennt sein Junge, sobald er irgendwie kann los, um wenigstens den Segen im Gottesdienst zu erleben und ihn seinem Vater mit nach Hause zu bringen. Besonders, seit der neue Pfarrer ihn so schön singt.
Der Ärger des Pfarrers verwandelt sich in Scham.

Der Segen Gottes:
Über ihn hat es nie wirklichen Streit in der Kirche gegeben. Man streitet sich um die Taufe, man streitet sich um das Abendmahl, man streitet sich um die Zahl der Sakramente und über die Trinitätslehre oder anderes mehr.
Aber der Segen steht unverrückbar da, ohne dass ihn jemand ernsthaft in Frage stellen würde.

Und egal, ob ein Gottesdienst seine Besucher spaltet, weil einem die Lieder nicht gefielen, einer anderen die Gebete nicht und einem Dritten die Predigt nicht: Der Schluss ist der Segen, der alle wieder zusammenführt und vor dem Gang in den Alltag wieder eint.

Er eint uns auch mit unseren jüdischen Geschwistern. So wie dieser aaronitische Segen die Gottesdienste in den Synagogen beschließt, beschließt er auch die Gottesdienste in evangelischen Gemeinden, in einigen sogar an jedem Sonntag.

Damit haben die Protestanten einen Fehltritt der Kirchengeschichte korrigiert. Denn weil dieser Segen Aarons aus jüdischer Tradition stammt, hat die Alte Kirche ihn schon bald vermieden. Und bis zum heutigen Tag hat er meines Wissens keinen Einzug in die katholischen Messordnungen gefunden.

Für uns Reformierte ist er wieder selbstverständlich, auch wenn wir ihn nicht an jedem Sonntag gebrauchen wie fast alle lutherischen Gemeinden. Aber hier gilt für uns eben das Gleiche wie bei der Feier des Abendmahles: Weniger ist oft mehr. Und viele, die den aaronitischen Segen an jedem Sonntag hören, hören ihn sehr oft eben gar nicht mehr…

Meine Schwestern, meine Brüder,

warum nun das Nachdenken über diese alten Segensworte am Sonntag Trinitatis? An dem es doch um die Einheit von Vater, Sohn und Heiligem Geist geht? Weil dieser Segen drei Teile hat und die Drei eine heilige Zahl ist?

Das wäre wohl zu einfach. Und überzeugen würde das von uns auch niemanden. Aber die Lehre von der Trinität und diese Segensworte haben ein wichtiges Detail gemeinsam: Sie nutzen Worte für Gott, die sich NICHT auslesen, die sich nicht abnutzen, die man immer wieder hören kann, als würde man sie zu ersten Mal hören.

Sie verbergen hinter den Buchstaben ein Geheimnis, dem man sich nur annähern kann. Aber bis in seine letzte Tiefe ergründen kann man es nicht.

Die Trinität spricht davon, dass Gott in Vater, Sohn und Geist den Menschen begegnet. Dass er das nicht abstrakt in Form einer Lehre oder Philosophie tut, sondern in Person, dass er dir und mir PERSÖNLICH begegnet. Und dass er, wie immer er uns begegnet, dennoch EINER ist. Drei sehr unterschiedliche Erscheinungsformen in einer Person: Das Geheimnis Gottes in Worten verborgen.

Und diese Segensworte sprechen seit tausenden Jahren genau so von Gott. Sie reden schon lange vor der Rede über die Dreieinigkeit Gottes vom Geheimnis Gottes, das man erfahren kann, aber nie völlig verstehen wird.

Die sprechen von Segen, den man nicht sehen kann, und der dem Menschen doch sichtbar Schutz bietet. Sie reden von Gottes Angesicht, das nie ein Mensch je gesehen hat, das aber dennoch Menschen erleuchtet. Sie reden von dem Angesicht Gottes, dass sich über uns Menschen erhebt – und niemand, der das hört, wird in jedem Augenblick seines Lebens dasselbe darunter verstehen.

Das Wirken und Leben Gottes wird durch Worte als Geheimnis so beschrieben, dass es LEBENDIG bleibt. Dass man die Worte immer wieder anhört wie man ein Bild ansieht oder Musik genießt: Weil sie einem einfach gut tun.

Der Segen Gottes tut uns gut, er berührt unsere Seele. Manchmal besonders stark, wenn dazu noch die Hände zur Segensgeste erhoben oder ganz persönlich aufgelegt werden. Egal, wann im Leben gesegnet wird. Ob zur Konfirmation, zur Hochzeit, am Sarg oder am Ende des Gottesdienstes heute:

Segen lässt unsere Seele die Berührung Gottes erfahren. Lässt uns die Unendlichkeit Gottes spüren. Lässt uns wissen, dass Gott mehr ist, als wir jemals denken können und dass es ewig so sein wird:

Die Liebe Gottes, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes werden unsere Leiber und Seelen bewahren bis in den jüngsten Tag.
AMEN

LIED 139 4+5
4. Gelobet sei der Herr,/ mein Gott, der ewig lebet,/ den alles lobet, was/ in allen Lüften schwebet;/ gelobet sei der Herr,/ des Name heilig heißt,/ Gott Vater, Gott der Sohn/ und Gott der werte Geist,
5. dem wir das Heilig jetzt/ mit Freuden lassen klingen/ und mit der Engelschar/ das Heilig, Heilig singen,/ den herzlich lobt und preist/ die ganze Christenheit:/ Gelobet sei mein Gott/ in alle Ewigkeit!

Lasst uns beten:
Gott Vater, Gott Sohn, Gott Geist:
Menschen/ ihr Leben/ und ihre Worte/ haben uns Augen für dein Tun/ und Ohren für dich geschenkt./ Dafür danken wir Dir von ganzem Herzen.
Bitte: Gib uns Stille, dass wir dein Geheimnis nicht überlärmen, und bereite Herzen, dass dein Wille geschehe unter uns.
Sei bei unserer Gemeinde, wenn wir reden, schweigen und handeln.
Der Trägheit wehre./ Unserem Unwillen wiederstehe./ Und damit wir nicht nur tun, was WIR wollen, /gib uns den Geist der Liebe.
Denn wir besinnen uns darauf, dass wir einander oft aus dem Weg gehen,/ dass wir Angst haben voreinander,/ dass wir immer neu Hoffnung zerstören.
Sieh auf das Corona-Virus in der Welt, vor allem in Südamerika und Afrika. Aber auch auf Krieg und Flüchtlingselend: Uns fehlen Worte,/ Ideen,/ Taten.
Belebe uns durch deine Vergebung, / damit Frieden werde,/ damit Verbitterte aufatmen,/ damit Gemiedene geborgen seien/ und Sterbende eine Hand finden, die sie führt.
Dreieiner, deine Kirche leite,/ deine Welt segne.
Uns gewähre Erbarmen, damit dein Reich komme.

UNSER VATER im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

ABKÜNDIGUNGEN
Unseren nächsten Gottesdienst zum Anhören und Nachlesen wird es am 6. Sonntag nach Trinitatis geben,
das ist der 19. Julei.
Sie finden die Dateien dann wieder auf der Seite
www.malte-predigt.de

LIED 421
Verleih uns Frieden gnädiglich,
Herr Gott, zu unsern Zeiten.
Es ist doch ja kein andrer nicht,
der für uns könnte streiten,
denn du, unser Gott, alleine.

SEGEN
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten
über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich
und gebe dir Frieden.
AMEN

Hören sie zum Schluss des Gottesdienstes
noch einmal Johann Sebastian Bach
Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist
MUSIK zum Ausgang

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