Ewigkeit denken? (Mt 25 1-13)

unsere Zeit auf dieser Welt
gemessen
zwischen Anfang und Ende
Geburt und Tod

die Grenzen unserer Zeit aber
lösen sich auf
in die Ewigkeit Gottes

alle Tränen werden getrocknet
kein Leid, kein Geschrei
bei GOTT wird sein
was in UNSEREN Zeiten
nicht sein kann

Zeit des Lebens
im Angesicht der Ewigkeit
braucht
den wachsamen Blick für das
was wirklich wichtig ist

Lasst eure Lenden umgürtet sein
und eure Lichter brennen.
Lukas 12,35
***
Den eigenen Tod erlebt man nur einmal.
Was dort also wirklich vorgeht, was da mit einem passieren wird, kann man erst DANN erfahren. Wer meint, dass er vorher schon wisse, was da mit ihm passiert, irrt. Da muss man nur auf die vielen Nahtot-Erfahrungen sehen, von denen wir schon gehört haben.

Vielleicht ÄHNELN sich die eine oder andere. Aber gleich sind sie sich ganz sicher nicht. Eine sieht Licht, der andere sieht sich selbst, eine Dritte ihr ganzes Leben im Zeitraffer, ein anderer sieht nichts… Den Tod erlebt man nur einmal. Man durchlebt ihn. Danach ist man tot, und niemand kam zurück, um zu berichten, wie das ist: Tot zu sein.

Natürlich erlebt man den Tod von anderen Menschen.
Aber da sieht man nur, was man sehen kann. Der eine Mensch stirbt, und ich merke nichts davon, weil ich ihn GAR nicht sehe. Stirbt meine Mutter, merke ich das mit jeder Faser meines Lebens, WEIL ich sie sehe. Schon wer aber ein schlechtes Verhältnis zu seiner Mutter hat, erlebt das anders, weil er sie SELTENER und auch anders sieht.

Und selbst, wenn ich gut sehe, weiß ich doch fast nichts davon, was der Sterbende sieht, denkt oder fühlt. Das werde ich erst wissen, wenn es mit mir selbst zu Ende geht.

Seinen Tod erlebt man nur einmal. Mit dem Tod anderer aber lebt man immer. Das fällt manchmal leicht, manchmal aber auch unendlich schwer. Gerade heute, am Ende des Kirchenjahres, fällt es oft besonders schwer.

Denn jeder Mensch hat Menschen durch den Tod verloren, die ihm wichtig und teuer waren. Frische Gräber sind dazu gekommen. Und die alte Frage wird neu gestellt: Was ist nach dem Tod? Den der andere schon gestorben ist? Den ich selbst sterben muss? Für manche ist diese Frage heute ganz frisch.

Sieht man in die Bibel, stellt man fest: Menschen, die Gott begegnet sind, denken über das Danach anders als die, die Gott nicht kennen.

Sie haben Gott erlebt als Schöpfer des Himmels und der Erde. Als den, der war, der ist und der sein wird. Der schon immer lebt und niemals stirbt. Als den, der seine Schöpfung liebt und immer lieben wird. Und auch die Macht dazu hat: Gott ist der ALLmächtige, der EWIG Liebende.

Unvorstellbar ist es da für diese Menschen, dass nach diesem Leben die Beziehung zu dem Ewigen ein Ende haben könnte. Das Gott mich ins Nichts fallen lässt. Dass „alles vorbei“ sein soll. Die Vorstellung vom Ewigen Leben nimmt sie gefangen und lässt sie nicht mehr los.

Aber was ist das nun, das Leben danach? Was erwartet einen „im Himmel“ Gottes? Kann man über das „ewige Leben“ überhaupt etwas sagen? Es kam doch noch niemand von dort zurück…

Karl Lagerfeld, der deutsche Modezar, der in Paris lebte und Anfang diesen Jahres starb, soll ja – wie immer bestens gekleidet, mit ordentlichem gebundenem Zopf und seiner typischen Sonnenbrille – im Himmel angekommen sein. Da trifft er auf Gott, den Herrn, in Lotterhemd und Jogginghose. Lagerfeld bleibt der Mund offen stehen: Ist das dein Ernst, HERR? Und Gott antwortet: Hey, dein Tod kam doch für uns alle völlig überraschend…

Ja, Scherze gibt es mehr als genug über den Himmel. Den Menschen der Bibel aber ist es ernst damit. Sie erwarten viel, ja alles von ihrem Gott. Und beschreiben dies in Bildern, die ihr Herz erfreuen:

„Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden,“ so vorhin unser Eingangspsalm (Ps 126,1). Solange diese Welt sich dreht, wird das die Hoffnung aller frommen Juden bleiben. Und auch meine.

„Dann würdest du meine Schritte zählen und nicht achtgeben auf meine Sünde. Du würdest meine Übertretung in ein Bündlein versiegeln und meine Schuld übertünchen.“ So zu lesen im Buch Hiob (14, 16+17, aus dem Predigttext vom vergangenen Sonntag) Hiobs großer Traum der persönlichen Begegnung mit seinem Gott, an dem sein Herz so hängt. Auge in Auge, nichts ist mehr zwischen ihnen, und Hiob wird endlich schauen können, was er Zeit Lebens ersehnt hat.

Auch die Menschen im zweiten Teil unserer Bibel beschreiben solche Bilder, wie z.B. Johannes in seiner Offenbarung: „Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein…“

Und im Evangelium nach Matthäus sind es zwei ganze Kapitel, die sich damit beschäftigen. Jesus zeichnet seinen zwölf Jüngern Bilder von dem, was sein wird. Dass nichts von dem, was wir von dieser Welt kennen und wissen, überdauern wird, nicht einmal diese Welt selbst. Dass nichts und niemand sich diesem jüngsten Tag entziehen können wird, dass alle und jeder Gott gegenüber treten werden.

Er spricht mit ihnen auch darüber, dass die Zeit bis dahin nicht einfach werden wird. Weil viele Gott und seine Ewigkeit nicht ernst nehmen werden. Weil den Jüngern selbst die Zeit lang werden wird.

Darum erzählt er Ihnen ein Gleichnis, ich lese den Predigttext aus Kap. 25 , Verse 1-13 (Zürcher Bibel):
1 Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und hinausgingen, den Bräutigam zu empfangen. 2 Fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen wohl ihre Lampen, nahmen aber kein Öl mit. 4 Die klugen aber nahmen außer ihren Lampen auch Öl in ihren Gefäßen mit.
5 Als nun der Bräutigam ausblieb, wurden sie alle müde und schliefen ein. 6 Mitten in der Nacht aber erhob sich ein Geschrei: Der Bräutigam ist da! Geht hinaus, ihn zu empfangen! 7 Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen bereit.
8 Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen sind am Erlöschen. 9 Da antworteten die klugen: Nein, es würde niemals für uns UND euch reichen. Geht lieber zu den Händlern und kauft selber Öl! 10 Doch während sie unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam, und die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal; und die Tür wurde verschlossen.
11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sagten: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber entgegnete: Amen, ich sage euch, ich kenne euch nicht!
13 Seid also wachsam! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde.

Das Himmelreich.
Das Reich DER Himmel, nicht des Himmels.
Im Reich DER Himmel spielt sich das ab, was himmlisch-himmlisch schön ist. Schöner, als diese Erde, dieser Himmel es je ahnen lassen.

Ein Hochzeits-Fest. Ähnlich wie wir vorhin aus der Offenbarung hörten: „Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“

Das Himmelreich: Wie eine große Hochzeit. Was sage ich: Nicht EINE. DIE Hochzeit schlechthin, das Fest schlechthin. Wunderschön gedeckte Tische, herrliche Speisen, edle Weine. Frohe Tänze, Lachen, Musik. ALLE feiern, niemand weint, außer vor Glück.

Nach altem Brauch werden zehn Jungfrauen den Bräutigam draußen erwarten. Sie werden ihn mit ihren Ölfackeln empfangen. Dann werden sie ihn zum Hochzeitssaal geleiten. Zum Fest der Feste.

Doch es zieht sich hin. Der Bräutigam lässt auf sich warten. Fünf der Jungfrauen hatten damit gerechnet. Sie hatten vorgesorgt und zusätzliches Öl für ihre Fackeln mitgenommen. Die anderen fünf sind überrascht davon, dass ihr Öl nicht reicht. Sie haben nicht damit gerechnet, dass sie warten müssen.

Dabei ist das nichts Außergewöhnliches. Warten ist zwar durchaus lästig, bleibt aber eine alltägliche Lebensübung. Für Soldaten ist das sogar ein Gedicht wert: Die Hälfte seines Lebens wartet der Soldat vergebens. Die andere Hälfte rennt er dann, damit er wieder warten kann.

Auch wenn die Jungfrauen dieses tiefgründige Gedicht noch nicht gekannt haben dürften: Verspätungen gab es immer. Menschen vergessen Verabredungen, Wichtigeres kommt ihnen dazwischen, sie verschätzen sich in der Länge des Weges, werden einfach nur aufgehalten.

Nicht damit zu rechnen, dass man warten müssen könnte: Ja, einfach töricht. Mit anderen Worten: Leichtsinnig, gedankenlos, unvernünftig. Auch der nächtliche Weg zu den Ölhändlern hilft da nicht mehr weiter. Sie kommen zu spät zur Hochzeit.

So haben die fünf ihr Fett weg. Als die „törichten Jungfrauen“ gehen sie in die Geschichte ein und schaffen es z.B. in Stein gemeißelt bis an das berühmte Eingangsportal des Naumburger Doms. Neben den Klugen, versteht sich. Aber unvergessen.

Meine Schwestern, meine Brüder:

Ewigkeit: Wer rechnet damit?
Das ist eine doppelt schwere Frage. Wie kann man denn mit der Unendlichkeit rechnen? Mit dieser auf die Seite gefallenen 8? Teilt man etwas durch unendlich, was bleibt? Und ist es mit den anderen Grundrechenarten wirklich einfacher?

Auch in der Dimension Zeit ist das nicht anders. Ich habe mich kürzlich mit meiner Frau drüber unterhalten. Für sie hat die Ewigkeit kein Ende, wohl aber einen Anfang. Und sie weiß auch ziemlich genau, wann der ist: Am Anfang ihres Lebens. Aber hat Ewigkeit wirklich einen Anfang? Sollte Gott einen Anfang haben? Was wäre dann davor?

Wir glauben zu wissen, dass das All, in dem sich unsere Erde stecknadelgroß aufhält, keine Wand, also irgend ein Ende hat. Auch die Menge der natürlichen Zahlen hat nach menschlichem Ermessen kein Ende. Erst recht die der gebrochenen Zahlen.

Raum und Zeit endlos zu denken, das allein ist schon schwer genug und ganz sicher nie zu begreifen. Noch schwerer ist es mit der Ewigkeit, die weder Ende noch Anfang kennt, in der es demzufolge die Dimensionen Raum und Zeit gar nicht geben KANN. So hat es die Ewigkeit nicht leicht unter uns, gedacht zu werden.

Scherze gibt es genug über den Himmel. Über die Hölle auch. Und genau das deutet das Problem an: Irgendwann machen viele Menschen NUR noch Witze darüber. Sie verlieren so das Reich der Himmel, und mit dem Reich der Himmel verlieren sie Gott selbst.

Als die fünf Jungfrauen, deren Lampen verloschen waren, später um Einlass in das Hochzeitshaus bitten, weist der Bräutigam sie ab: „Ich kenne euch nicht!“ Wem die himmlische Hochzeitsfeier zeitlebens eher egal ist, dem ist auch Gott egal. Was sollte der hier zu suchen haben?

Gottes Wort und Wille, Verheißung und Versprechen wären egal. Man lebt nach der Devise: Ich erwarte nichts als das, was ich sehen kann. Mir ist gleich, wohin ich nach dieser Welt gehöre. Wann der Bräutigam kommt, ob ich selbst auf die Hochzeitsfeier komme – egal. Solches Verhalten nennt Jesus töricht. „Ich kenne euch nicht!“ Das klingt nicht nur hart, das IST hart.

Aber Jesus sagt das ja nicht zu den törichten Jungfrauen in seiner Geschichte. Er sagt das zu seinen Jüngern, in den Kreis seiner engsten Vertrauten hinein. Er warnt sie. Warnt sie, nicht töricht zu werden, nur weil die Zeit lang werden kann und die Ewigkeit unvorstellbar ist.

Denn sie haben viel zu verlieren. Mit dem Blick auf die himmlische Hochzeitsfeier würden sie den Blick auf Gott verlieren. Was würde dann von ihrem Leben JETZT übrig bleiben? Wohin würden sie dann NACH diesem Leben gehen?

Wo wären dann die, mit deren Tod wir nur schwer leben können, weil sie uns so nahe gewesen sind? Welche Hoffnung hätte unser Leben und unser Sterben, wenn unser Gott nicht wäre?

Jesus mahnt uns: Seid klug! Nehmt genug Öl mit! Wachet!
Rechnet mit der Unendlichkeit.
Denkt die Ewigkeit.
Haltet eure Herzen weit für den unendlichen, ewigen Gott.

Seine Liebe, die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
werden uns geleiten
zur Hochzeitsfeier der Himmel. AMEN

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